Start und Ziel: „The Grotto“ im Zion Nationalpark
Länge: 7 km | HM: 500 m | Gehzeit: 2,5 Std. | Gesamtzeit: 4,5 Std.
Bewertung: ★★★★★
Angels Landing im Zion Nationalpark ist nicht einfach eine Wanderung. Es ist ein Erlebnis. Wir schauen über den schmalen Grat und wissen: Hier sind wir genau richtig! Schon der Name klingt verheißungsvoll. Und wer den luftigen Grat bezwingt, versteht sofort, warum er jeden begeistert.
Unser Tag beginnt früh in Springdale, dem kleinen Ort direkt vor den Toren des Parks. Wir leihen uns E-Bikes bei Zion Guru. Eine bequeme und umweltfreundliche Möglichkeit durch den Park zu fahren, vor allem, wenn die Shuttlebusse schon gut gefüllt sind. Mit viel Glück könnt ihr direkt bei Zion Guru einen der wenigen Parkplätze im Innenhof ergattern. Andernfalls parkt ihr das Auto auf dem Seitenstreifen. Bei Zion Guru befindet ihr euch in Parkzone B, die derzeit 20 USD pro Tag kostet.



Vom Parkeingang geht es über den Pa’rus Trail, der sich sanft entlang des Virgin River schlängelt. Der Weg ist asphaltiert, führt über kleine Holzbrücken und bietet zwischendurch Sitzbänke mit schönem Blick auf den Fluss. Ab und an bleiben wir stehen, lesen die Infotafeln über Flora und Fauna oder schauen den ersten Sonnenstrahlen dabei zu, wie sie die Felsen zum Glühen bringen. Nach rund einer halben Stunde Fahrt erreichen wir den Shuttle-Stopp „The Grotto“, den Ausgangspunkt für den Aufstieg.
Der knapp fünf Kilometer lange Hinweg beginnt harmlos: ein breiter Pfad durch schattige Abschnitte entlang des Virgin River. Doch bald steigt der Trail an, schlängelt sich in engen Serpentinen empor und führt durch den angenehm kühlen „Refrigerator Canyon“. Ein amerikanischer Wanderer lobt unseren „Strong little man!“, der bis hier mehr bergauf gesprintet als gewandert ist.


Dann tauchen die berühmten Walter’s Wiggles auf. 21 knackige Spitzkehren, die uns steil nach oben tragen wie eine Wendeltreppe aus Stein. Am Ende wartet der Scout Lookout, ein kleiner Sattel mit grandiosem Blick auf den Canyon und den finalen Felsrücken von Angels Landing. Hier kontrollieren Ranger die Permits, die für den letzten Abschnitt zwingend erforderlich sind.

Ab jetzt wird es ernst. Die nächsten zwanzig Minuten gehören zu den aufregendsten, die man auf einer Wanderung erleben kann. Der Felsgrat ist schmal – manchmal gerade breit genug für zwei Füße nebeneinander. Häufig geht es links oder rechts hunderte Meter senkrecht hinunter. Dicke Ketten dienen als Halt. Volle Konzentration! Das Permit-System ergibt hier Sinn. Mit zu vielen Menschen auf diesem engen Grat wäre die Sicherheit schlicht nicht gewährleistet.



Oben auf dem Plateau angekommen, ist es kaum zu glauben, dass hier noch kleine, knorrige Bäume wachsen, die sich mit ihren Wurzeln in den Fels krallen. Wir setzen uns und schauen in die Ferne. Der tief eingeschnittene Zion Canyon mit dem bläulichen Band des Virgin River, die sich schlängelnde Straße mit ihrer gelben Mittellinie und die aufragenden Felswände auf der anderen Canyon-Seite ziehen uns in ihren Bann.






Beim Abstieg über die wellenförmigen Sandsteinschichten bieten sich neue Perspektiven mit spektakulären Tiefblicken und grandiosen Weitsichten. „Bonus points for one and a half persons!“, meint ein entgegenkommender Wanderer lachend zu mir mit unserem Sohn auf dem Rücken. Er ist heute eines von nur zwei Kindern, die wir auf dem Weg zum Landeplatz der Engel gesehen haben.
Unten am Virgin River mutzen wir einen der kleinen Zugänge mit dem Schild „River Access“. Schuhe aus und Füße ins kalte Wasser. Besser kann ein Wandertag kaum enden.


Angels Landing ist keine einfache Tour. Sie verlangt Trittsicherheit, absolute Schwindelfreiheit und Respekt vor der Natur. Doch wer sich darauf einlässt, wird mit einem Gefühl belohnt, das irgendwo zwischen Stolz, Demut und unbändiger Freude liegt. Für uns war es die wohl spektakulärste Gratwanderung, die wir je gegangen sind. Ein unvergesslicher Moment auf unseren schmalen Pfaden.
Maximale Höhe: 1767 m
Minimale Höhe: 1302 m




