Start: Sidari | Ziel: Sidari
Länge: 11,5 km | HM: 250 m | Gehzeit: 3,5 Std. | Gesamtzeit: 4,5 Std.
Bewertung: ★★★★☆
Korfu hat viele schöne Ecken – doch die bizarren Sandsteinformationen am Canal d’Amour und die steilen Klippen des Kap Drastis zählen sicher zu den eindrucksvollsten. Beide Orte lassen sich wunderbar erwandern – entweder einzeln oder im Rahmen einer Rundwanderung.
Canal d’Amour
In Sidari befindet sich ein kostenfreier Parkplatz. Am Strand entlang gelangt ihr zum berühmten Canal d’Amour. Liebeskanal? Was hat es denn damit auf sich? Die Legende besagt, dass Paare, die gemeinsam durch den schmalen Kanal schwimmen, für immer zusammenbleiben werden. Das ist doch mal eine schöne Vorstellung.
Aber was erwartet mich hier wirklich? Glattgeschliffene, steinerne Gebilde umgeben von türkisem Meerwasser, die Wind und Wellen nicht außergewöhnlicher hätten erschaffen können! Die ockerfarbenen Sandsteinfelsen wurden durch Erosion an einigen Stellen mehr und an anderen weniger ausgewaschen. So sind zwischen den zum Meer steil abfallenden Klippen kleine Kanäle entstanden und sogar kleine Höhlen und Tunnel. Unser Sohn erkundet einen solchen Tunnel ausgiebig. Offensichtlich erinnert er sich noch sehr gut an unseren letzten Urlaub in Luxemburg und betitelt den Unterschlupf als „Räuberhöhle“.


Die Canal d’Amour bieten zahlreiche Möglichkeiten verschiedene Buchten zu genießen, die von gelblichem Sandstein begrenzt werden. Mal sind die Felsen glatt geschliffen, mal sind sie durchzogen von horizontalen Stufen. Viele Urlauber schauen sich neugierig um und genießen die tollen Aussichtspunkte auf die Buchten. Andere sonnen sich oder schwimmen in den schmalen Kanälen und ganz mutige springen (verbotenerweise) von den Klippen ins satt-türkise Meer.
Die absolute Idylle wird durch zahlreiche Hotels und Strandbars ein wenig getrübt. Das traumhafte Fleckchen Erde wird umfassend kommerziell vermarktet. Es ist etwas schade, dass man hier nicht (mehr) abseits der Touristenströme sein kann. Nun könnt ihr am Strand entlang oder durch die Hauptstraße mit unzähligen Restaurants und Souvenirshops zurück zum Auto gehen.
Weg von Sidari zum Kap Drastis
Wer Lust hat auf eine weitere Wanderung, dem sei ein Besuch beim Kap Drastis empfohlen. Hierfür müsst ihr rund 1,5 Kilometer auf einer geteerten Straße durch den Ort gehen. Trennt ihr die Wanderungen kann ein Mietwagen auch direkt hier am Straßenrand abgestellt werden. Wir zweigen rechts auf einen kleineren Pfad ab.
Die kommenden Wege verlaufen auf rissiger, staubtrockener Erde. Die Pfade sind nicht so schmal wie wir es lieben, sondern eher eineinhalb bis zwei Meter breit. Dennoch sind die Natur und Wege wunderschön und wir fühlen uns von Anfang an wohl. Bis zum Sendemast steigen wir stetig aufwärts. Nun befinden wir uns am Rand der Steilklippen und genießen tolle Ausblicke auf die Steilküste, Kap Drastis und das tief unter uns liegende Meer das in der Sonne funkelt.


Bald trennt Schilf uns vom Abgrund und kurz darauf wandern wir durch Olivenhaine. Schwarze Netze liegen rund um die knorrigen Bäume, um die reifen Oliven aufzufangen. Der Olivenwald ist zwar bewirtschaftet, aber sieht dabei ganz natürlich und ursprünglich aus. Mit großen landwirtschaftlichen Geräten kann hier niemand zur Ernte anrücken.
Bald sind wir bis zum Meer abgestiegen und befinden uns in einer Badebucht, die dem Canal d’Amour zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein Bootstouren-Anbieter bietet verschiedene Ausflüge an und eine Handvoll Badegäste liegt auf dem vom Wasser glatt geschliffenen Fels in der Sonne.


Auf einer staubigen Piste steigen wir auf. Wenige Touristen fahren bis ganz hinunter an die Bucht obwohl teils tiefe, von der Erosion augespülte Rillen die Straße durchziehen. Ein Fahrer winkt uns freundlich zu und wir stellen wieder einmal fest, wie viel solch eine kleine freundliche Geste ausmacht. Ohne diese Geste hätten wir uns über Autofahrer auf diesem Weg geärgert.
Blicke auf Kap Drastis
Zwischen Bucht und Parkplatz erreichen wir zwei Aussichtspunkte. Der erste führt nah an das eigentliche Kap heran. Allerdings ist dieser nur über einen sehr schmalen Pfad zu erreichen, der anfangs durch dorniges Gestrüpp führt und bei dem man sogar gebückt laufen muss. Nach dem dornigem Pfad stehen wir an einem Schild, das den weiteren Weg als Privatgrund ausweist. Der Zaun ist allerdings offen und es scheint niemanden der Touristen zu kümmern.


Deshalb steigen auch wir am Zaun vorbei. Das Privatgrundstück ist völlig vermüllt. Vermutlich gab es hier mal etwas wie einen Kiosk oder eine Bar. Mittlerweile ist alles zugewachsen und voller Schrott. Wären uns nicht regelmäßig Wanderer entgegengekommen, so wären wir wohl spätestens hier umgedreht. Oben angelangt haben wir eine atemberaubende Aussicht auf das unter uns liegende Kap Drastis. Für uns hat sich die Mühe des Aufstiegs auf dem zugewachsenen Weg gelohnt.
Auf demselben Weg gelangen wir zurück zur staubigen Piste. Nun sind auf dem rissigen Fahrweg mehr Menschen unterwegs. Vor dem Parkplatz erreichen wir direkt an der Straße einen zweiten Aussichtspunkt. Die Felsen von Kap Drastis werden von der Sonne beschienen und liegen idyllisch im wunderbar türkis schimmernden Meer. Auch dieser Ausblick ist wundervoll (aber viel einfacher zu erreichen). Am Parkplatz bieten ein Früchte-Händler und ein Food-Truck ihre Waren feil.



Zurück nach Sidari gelangen wir über einen Teil unseres Hinwegs entlang von Schilf und Olivenbäumen.
Die Wanderung zum Kap Drastis ist durchgängig schön und hat uns große Freude bereitet. Doch wenn ihr nur wenig Zeit habt, könnt ihr auch mit dem Auto zum Parkplatz am Kap Drastis fahren und nur das kurze Stück zum zweiten Aussichtspunkt laufen oder anschließen noch zur Bucht hinab wandern. Der Canal d’Amour lohnt sich ebenfalls, egal ob einzeln oder als Bestandteil der größeren Rundwanderung. Bedenkt nur, dass ihr hier keine einsame Idylle antreffen werdet.
Maximale Höhe: 108 m
Minimale Höhe: 0 m




