Start: Burgruine Angelokastro | Ziel: Zwillingsbucht Porto Timoni
Länge: 11,75 km | HM: 420 m | Gehzeit: 3,5 Std. | Gesamtzeit: 6 Std.
Bewertung: ★★★★☆
Was macht Korfu aus? Geschichtsträchtige Orte, mediterrane Landschaft mit Olivenhainen, Meerblicke und lebhafte Strände. All das und noch viel mehr bietet die Streckenwanderung von der ausgesetzten Burgruine Angelokastro hoch über dem Meer, über den in eine Steilklippe gehauenen Eselspfad bis hin zur malerischen Zwillingsbucht Porto Timoni, die mit ihren malerischen Stränden zum Baden einlädt.
Angelokastro
Am Fuße der Burg liegt direkt an einer Taverne ein kleiner Parkplatz. Heute ist Dienstag und erst im Nachhinein lesen wir, dass die Festung Angelokastro an diesem Wochentag geschlossen hat. Ein Kassenhäuschen, an dem sonst 10 € zu entrichten sind, ist unbesetzt. Wir beginnen auf einem felsigen Pfad den nicht einmal zehn Minütigen, aber steilen Aufstieg. Bald stehen wir vor einem verschlossenen Eisentor. Wie selbstverständlich klettern andere Touristen seitlich den Felsen hoch und schließlich über das Tor hinweg. Wir schauen uns das Spektakel etwas an und entschließen uns dann auch für den ungewöhnlichen Zugang. Mit Hilfe schafft das auch unser Dreijähriger.




Nun steht der Besichtigung der byzantinischen Engelsburg, das ist die Bedeutung von Angelokastro, nichts mehr im Wege. Imposant thront die Befestigungsanlage auf einem ausgesetzten Bergsporn hoch über dem türkisblauen Wasser. Uneinnehmbar wirken die Überreste der Mauern. Uns gefällt die Besichtigung gut – allerdings erfährt man nur wenig über die Burg und ihre Geschichte. Bis auf zwei Kapellen ist nicht mehr viel erhalten. Die eine Kapelle liegt in einer Grotte im Fels unter der Festung und die andere thront hoch oben am höchsten Punkt der Burg. Hier ist es sehr windig und der Blick auf das Ionische Meer grandios.
Zurück am Parkplatz trennen sich die Wege von Tobi und mir kurz. Er wandert die spannendsten Zwischenstücke mit und geht dann zurück zum Auto, um es nachzuholen. Ihr könntet am Ende der Streckenwanderung ein Taxi nehmen oder ebenfalls die spannenden Passagen Angelokastro, Eselspfad und Porto Timoni extrahieren.
Bis zu einem großartigen Aussichtspunkt auf die Burg, der direkt an der Straße liegt, führt ein 100 Meter kurzer steiniger Pfad. Er ist recht zugewachsen mit Pflanzen, deren Blätter spitz sind. Ich muss aufpassen, dass unser Sohn in der Kraxe nicht gestochen wird. Allein ist der Pfad gerade so noch gut zu begehen.
Donkey Path
Kurz darauf erreichen wir den Ort Krini. An einem winzigen Kreisverkehr, hier ist wohl der Dorfplatz, sitzen zwei ältere Damen in langen Röcken zum Plausch. Wir spazieren vorbei, halten uns links und verlassen bald die Häuseransammlung. Ein asphaltierter Fahrweg führt uns zum alten Eselspfad. Rund 2.5 Kilometer haben wir inklusive der Burgbesichtigung auf der Uhr, dann beginnt der spannende Abschnitt des „Donkey Path“. Zwischen zwei Felsen treten wir durch einen schmalen Durchbruch, der an ein Tor erinnert. Dahinter folgt der spekatakuläre Teil: In eine Felswand wurde der schmale Eselspfad gebaut, der sich in zwei Sepentinen zum Meer windet. Rund einen Kilometer spazieren wir entlang der Klippe langsam dem Meer weiter entgegen. Wer keine Streckenwanderung machen möchte, kann umkehren, wenn die Steilklippe endet.



Andernfalls geht ihr noch eine Weile weiter sanft bergab und tretet bald in einen Olivenhain ein. Schattig spaziert ihr immer leicht abwärts auf einem geschotterten Fahrweg und kommt der Bucht Agios Georgios immer näher. Die ersten Häuser kommen. Mehrfach passieren wir Schilder der Taverne „Fisherman“, die sich selbst gut zu bewerben weiß.
Auf Höhe des Sandstrands folgen wir der Küstenlinie der Bucht Agios-Georgios. An der Straße parken die Autos der Besucher, rechter Hand liegen Hotels und linker Hand reihen sich Sonnenschirme, Liegen und Sonnenanbeter aneinander. Dazwischen werden Boote verliehen und Ausflüge zur bekannten Doppelbucht mit dem Strand Timoni angeboten.


Ganz am Ende der Bucht wechsele ich von der Promenade auf den Sandstrand. Das Areal der Touristen endet. Ich stehe auf Steinen der Felsküste und erkenne erst einmal keinen Weg. Ich klettere weiter über die Felsen, obwohl es sich mit Kraxe auf dem Rücken teils nicht vernünftig anfühlt. Immer wieder ist doch ein Pfad und selten auch Fußspuren zu erkennen. Das gibt mir die Sicherheit, dass dieser Weg nicht im Nirgendwo enden wird. Etwa 300 Meter kraxele ich über die Felsen der Küste und ducke mich durch einen runden, engen Felsdurchbruch.
Nach rund fünfzehn Minuten Kraxelei an der Küste beginnt der steile Aufstieg nach Afionas. Anfangs so steil, dass ich einige Male die Hände zur Hilfe nehmen muss, dann wird der Anstieg moderater. Nach rund zwanzig Minuten komme ich oben an. Eine Bank lädt zur Rast bei traumhafter Aussicht auf die Bucht ein. Wer mag kann auch in einer Taverne direkt am Weg einkehren. Hier treffen wir wieder auf Tobi.


Zwillingsbucht Porto Timoni
Gemeinsam steigen wir drei mit unzähligen weiteren Touristen zur Zwillingsbucht Porto Timoni ab. Die meisten sind Badegäste und mit Flip-Flops, Bikini und Sonnenschirm unterm Arm unterwegs. Dieses Schuhwerk können wir nicht empfehlen. Feste Schuhe sollten es schon sein. Der Weg ist sehr steinig, steil und teils von der Errosion ausgewaschen. Uns begegnet ein Tourist mit blutüberstömtem Knie und auch unser Sohn gerät auf dem schwierigen Untergrund häufiger ins Stolpern. Den Wegesrand säumen Maccia Sträucher. Auf halber Höhe bietet sich ein toller Blick auf das Ziel. Nach rund zwanzig Minuten kommen wir am Strand oder besser gesagt den beiden Stränden an. Eine schmale Landzunge trennt hier die türkisblauen Buchten Agios-Georgios und Arillas.
Wir haben es hier voll erwartet. Keine Frage. Doch mit den Massen an Menschen, auf die wir hier treffen, haben wir schlicht nicht gerechnet. Ein uns entgegenkommender Wanderer hat es gut zusammengefasst: „The scenery is spectacular, but the crowds destroy the experience.“. So geht es uns auch. Kaum ein Quadratmeter Kiesstrand, der nicht von einem Handtuch belegt ist!


Unser Sohn badet, wir kühlen die Füße und essen eine Kleinigkeit, dann treten wir den Rückweg an. Wer mag kann an einem Stand auch die Rückfahrt mit dem Taxi-Boot buchen. – Oder sich ein SUP oder Tretboot leihen. Es geht denselben Weg steil bergauf. Obwohl sich der Nachtmittag dem Ende zuneigt, kommen uns immer noch Massen von Touristen entgegen.
Knapp hinter dem Ortskern von Arillas parkt unser Auto. Zwei Stunden kosten 5 € Euro und ein ganzer Tag 7 €. Allerdings scheint niemand zu kontrollieren wie lange das Auto abgestellt wird.
Am Ende des Tages hat mir die Wanderung von der imposanten Festung Angelokastro bis hin zur Zwillingsbucht gut gefallen. Die Highlights liegen ganz klar bei der Burg, dem nahegelegenen Donkey Path, dem Aufstieg nach Afionas und dem Anblick der leider völlig überfüllten Zwillingsbucht Porto Timoni. Die Strecke dazwischen führt größtenteils auf breiten Wegen und ist auch von den Aussichten nicht so spektakulär.
Wir würden empfehlen nahe von Angelokastro zu parken. Von dort die Festung sowie den schönsten Abschnitt des Eselpfads zu erkunden und dann ans nördliche Ende der Bucht Agios-Georgios zu fahren. Dort könnt ihr kostenfrei parken und über die Felsen am Strand kraxeln, nach Afionas auf- und zur Zwillingsbucht absteigen und am Ende des Tages zum Auto zurückkehren. Oder alternativ bei Afionas parken und die Wanderstrecke so verkürzen.
Maximale Höhe: 321 m
Minimale Höhe: 0 m




