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Lamitzpfad im Frankenwald – Mit Ranger Jan auf den Spuren der Biber

Start: Floßlände Schnappenhammer, Wallenfels
Länge: 5,3 km | HM: 200 m | Gehzeit: 1,75 Std. | Gesamtzeit: 3,75 Std.
Bewertung: ★★★★☆

Der Biber gestaltet als Leittier die Natur und schafft somit einen Lebensraum für viele weitere Tiere, erklärt uns Ranger Jan van der Sant, der parallel auch als Biberberater arbeitet. Jan und seine Kolleginnen Ines und Christiane sind die drei Ranger für den Frankwald.

Selten bleiben wir auf einer Wanderung so oft stehen wie heute. Nicht, weil der Weg besonders anspruchsvoll wäre oder sich hinter jeder Kurve ein neuer Aussichtspunkt verbirgt, sondern weil Ranger Jan hinter fast jeder Pflanze, jedem Baum und jeder Flussbiegung eine spannende Geschichte kennt. Aus einer Wanderung auf dem Lamitzpfad wird so eine abwechslungsreiche Entdeckungsreise durch den Frankenwald. Wir lernen, warum der Biber ganze Landschaften verändert, weshalb im Frankenwald heute wieder mehr Laubbäume wachsen sollen und wie sehr der Frankenwald bis heute von seiner Geschichte als Flößerregion geprägt ist.

Unsere Tour beginnt am Floßanleger Schnappenhammer. Dort treffen wir Ranger Jan, der uns die nächsten Stunden begleiten wird. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, wie sehr er für seine Arbeit brennt. Jan ist gelernter Holzwirt und kennt den Frankenwald bis in den letzten Winkel. Als Ranger ist er jedoch weit mehr als ein Wanderführer.

Er beobachtet seltene Tier- und Pflanzenarten, entwickelt Schutzkonzepte, hält Vorträge, begleitet jedes Jahr mehrere tausend Schülerinnen und Schüler durch den Frankenwald, schneidet Wanderwege frei, berät bei Fragen rund um den Biber und versucht vor allem eines: Menschen für die Natur zu begeistern.

Beeindruckend finden wir auch die Dimensionen seines Arbeitsgebiets. Der Naturpark Frankenwald umfasst rund 100.000 Hektar. Für diese riesige Fläche gibt es drei Ranger:innen – jeweils einen für die Landkreise Kronach, Kulmbach und Hof.

Zunächst führt uns ein breiter Schotterweg bergauf. Noch bevor wir die Lamitz erreichen, beginnt Jan zu erzählen. Ohne den Menschen, erklärt er, würden im Frankenwald überwiegend Buchen und Tannen wachsen. Die heute vielerorts dominierenden Fichten wurden gezielt angepflanzt. Sie wachsen schneller, liefern leichtes Holz und eigneten sich deshalb hervorragend für die Flößerei.

Diese Entscheidung prägt den Frankenwald bis heute. Denn wo viele Fichten dicht nebeneinander wachsen, hat sich der Borkenkäfer in den vergangenen Jahren leicht ausbreiten können. Ganze Berghänge sind dadurch kahl geworden.

Während wir auf eine dieser Flächen blicken, sagt Jan einen Satz, der uns im Gedächtnis bleibt: „Manchmal hilft der Mensch der Natur am meisten, wenn er sie einfach in Ruhe lässt.“ Zwischen den abgestorbenen Bäumen wachsen bereits die ersten Sträucher und jungen Laubbäume. Gleichzeitig sorgen neue Vorgaben dafür, dass in jedem Hektar Wald künftig mindestens fünf Baumarten vertreten sein sollen. Ziel ist es, dass Monokulturen langfristig verschwinden.

Selbst scheinbar unscheinbare Pflanzen erzählen ihre eigene Geschichte. Der Japanische Staudenknöterich mit seinen hübschen violetten Blüten sieht zwar dekorativ aus, verdrängt jedoch heimische Arten und gilt deshalb als problematische invasive Pflanze. Auch die vielerorts heimische Lupine ist auf den Magerwiesen des Frankenwalds invasiv. Da sie den Stickstoffgehalt des Bodens verändert, hat auch ihre Ausbreitung Folgen für das gesamte Ökosystem.

An der Lamitz führen mehrere Holzstege durch die Auenlandschaft. Einer davon ist inzwischen überflüssig. Nicht weil er falsch gebaut wurde – sondern weil der Biber den Flusslauf verändert hat.

Genau hier beginnt Jans Lieblingsthema. Der Biber ist kein Tier, das einfach nur in der Natur lebt. Er gestaltet sie aktiv. Deshalb gilt er als sogenannte Leitart. An der Lamitz leben derzeit drei bis vier Biberfamilien mit jeweils mehreren Tieren. Ihre Burgen betreten sie unter Wasser, damit Feinde nicht eindringen können.

Immer wieder entdecken wir angenagte Baumstämme. „Der Baum stirbt dadurch meist gar nicht“, erklärt Jan. Viele Bäume treiben später erneut aus und werden vom Biber in Ruhe gelassen bis sie sich erholt haben. Der Biber nutzt die Natur, zerstört sie aber nicht dauerhaft.

Besonders faszinierend finden wir jedoch den Dammbau. Mit erstaunlicher Geduld transportieren die Tiere sogar Steine und Lehm. Dabei stehen sie teils auf ihren Hinterbeinen und tragen das Material mit den Vorderpfoten. Je nachdem, wie stark das Wasser drückt, erhöhen oder senken sie ihre Dämme sogar.

Diese Bauwerke leisten weit mehr als nur den Bibern gute Dienste. Sie filtern Wasser, bremsen Hochwasser und schaffen Lebensräume für zahlreiche weitere Tierarten. Bis heute wären wir wahrscheinlich achtlos daran vorbeigelaufen. Jetzt sehen wir plötzlich überall Biberspuren. So weist an vielen Stellen plattgedrücktes Gras darauf hin, dass hier ein Biber regelmäßig auf seiner „Biberrutsche“ ins Wasser gleitet.

Den Höhepunkt bildet schließlich ein ausgestopfter Biber, den Jan bereits vor unserer Ankunft an der Lamitz platziert hat – eine echte Überraschung für uns. Unser Sohn darf ihn anfassen, das Fell streicheln und die auffällig orangenen Zähne aus nächster Nähe betrachten.

Auf dem Rückweg verlassen wir die Lamitz wieder. Nun geht es auf einem langen Grasweg bergauf zurück in den Wald. Dort zeigt sich, wie Jan jedes Jahr Schülergruppen für die Natur des Frankenwalds begeistert.

Plötzlich holt er Lehm hervor. Gemeinsam drücken wir Gesichter an Baumstämme und verzieren sie mit Blumen, Blättern und kleinen Ästen – Waldgeister entstehen. Wenig später kleben wir Blüten, Moose und Farn auf doppelseitiges Klebeband und gestalten kleine Waldbilder.

Eigentlich richtet sich das an Schulklassen. Trotzdem haben wir Erwachsenen mindestens genauso viel Spaß wie unser Sohn. Jan möchte, dass Kinder den Wald nicht nur erklärt bekommen. Sie sollen ihn riechen, anfassen, erleben und einfach Spaß in der Natur haben. Und genau das gelingt ihm!

Zwischendurch zeigt er uns Mistkäfer, auf deren Bauch winzige Milben mitreisen wie kleine Anhalter. Wir sprechen über Ameisenhaufen, bei denen nur etwa ein Drittel des Nestes überhaupt sichtbar ist. Wir erfahren, dass Ameisenköniginnen mehr als zwanzig Jahre alt werden können und dass Breitwegerich gut gegen das Brennen der Brennnesseln hilft – wenn er zuvor zerkaut wurde.

Ganz nebenbei erzählt Jan von Schwarzstörchen, die große zusammenhängende Wälder brauchen, vom Schutz der Bach- und Flussperlmuscheln und davon, wie schwierig die Renaturierung der Lamitz ist. Denn der Fluss wurde für die Flößerei einst verlegt, begradigt und mit Holz sowie Steinen befestigt. Heute steht vieles davon unter Denkmalschutz.

Auch die Flößerei selbst war erstaunlich ausgeklügelt. Sobald am ersten Wehr das Wasser freigegeben wurde, läuteten die Kirchenglocken. So wussten die Menschen am nächsten Wehr genau, wann sie ihre Staustufe öffnen mussten. Über viele Kilometer funktionierte dieses System wie eine perfekt abgestimmte Kettenreaktion. Während die Männer oft monatelang mit den Flößen unterwegs waren, führten die Frauen zuhause Höfe, Familien und Betriebe. Auch das gehört zur Geschichte des Frankenwalds.

Ohne Ranger hätten wir den Lamitzpfad ganz anders erlebt. Der Hin- und Rückweg zum Bach verlaufen größtenteils über breite Wege und hätten uns allein als Wanderung vermutlich nicht nachhaltig beeindruckt. Der Abschnitt entlang der Lamitz mit den zahlreichen Biberspuren ist dagegen auch ohne weitere Worte wunderschön.

Was diesen Tag für uns aber wirklich besonders gemacht hat, war Ranger Jan. Mit seiner Begeisterung, seinem enormen Wissen und seiner geduldigen Art – besonders im Umgang mit unserem Sohn – hat er uns den Frankenwald mit völlig neuen Augen sehen lassen. Am Ende der Tour haben wir nicht nur eine Wanderung hinter uns, sondern das Gefühl, die Natur ein kleines Stück besser verstanden zu haben.

Solltet ihr auch einmal Lust auf eine von Jan oder seinen Kolleginnen geführte Tour haben, schaut auf der Homepage des Tourismusverband Frankenwald. Es werden regelmäßig kostenfreie Touren angeboten, die wir euch absolut ans Herz legen können.

Gesamtstrecke: 5358 m
Maximale Höhe: 529 m
Minimale Höhe: 398 m
Download file: FrankenwaldSteigla_Lamitzpfad.gpx

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