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Mosel-Radweg mit Kleinkind – Vom Dreiländereck zum Deutschen Eck in fünf Tagen

Der Mosel-Radweg steht schon lange auf unserer Wunschliste. Flache Radwege, steile Weinberge, charmante Winzerorte und jede Menge Römergeschichte – die Kombination klingt einfach perfekt für eine mehrtägige Radtour mit unserem vierjährigen Sohn. Offiziell beginnt der deutsche Mosel-Radweg zwar erst in Perl, wir möchten jedoch möglichst viel von der Mosel erleben und starten deshalb bereits im französischen Thionville. So führt uns unsere Tour nicht nur vom Dreiländereck bis zum Deutschen Eck, sondern beginnt sogar noch ein Stück weiter flussaufwärts.

Unser Sohn ist während der Tour auf seinem eigenen Fahrrad unterwegs, das sich über eine FollowMe-Tandemkupplung mit einem Elternrad verbinden lässt. So kann er kräftig mittreten oder sich bei Bedarf einfach ziehen lassen, wenn er gerade nicht selbst fahren möchte. Gerade auf längeren Etappen ist diese Mischung aus eigenständigem Radfahren und entspanntem Vorankommen für uns ideal.

Fünf Tage und 300 km lang ist die Mosel unser ständiger Begleiter. Entlang des Weges erhalten wir unkompliziert über die Lauschpunkte App spannende Informationen. Mal führt der Radweg direkt am Wasser entlang, mal durch Weinberge oder vorbei an beeindruckenden Zeugnissen der Römerzeit. Dazwischen bleibt immer wieder Zeit für die kleinen Momente, die eine Familienradtour besonders machen: Steinewerfen am Ufer, ein spontaner Stopp auf einem Wasserspielplatz oder eine erfrischende Traubenschorle beim Winzer.

Vor allem die ersten drei Etappen begeistern uns. Hier verläuft der Radweg meist ruhig und naturnah, während sich Weinberge, Winzerdörfer und römische Ausgrabungen beinahe im Minutentakt abwechseln. Die letzten beiden Tage können dieses hohe Niveau leider nicht ganz halten, da der Radweg dort häufiger direkt neben Bundesstraßen verläuft.

Trotzdem gehört der Mosel-Radweg für uns zu den schönsten Flussradwegen Deutschlands und ist eine Tour, die wir Familien ebenso empfehlen können wie allen, die Natur, Geschichte und Genuss miteinander verbinden möchten. Und wer sich fragt, ob er die Tour auch mit dem Rennrad bestreiten kann? Ja, die Hauptroute ist durchgängig asphaltiert.

Unsere Tagesetappen:

1. Tag: Thionville – Perl (32 km)

Unsere Tour beginnt nicht am offiziellen Start des Mosel-Radwegs, sondern knapp 30 Kilometer weiter flussaufwärts im französischen Thionville. Die längere Anreise nehmen wir bewusst in Kauf, denn wir möchten möglichst viel Zeit an der Mosel verbringen und auch den französischen Abschnitt kennenlernen.

Von Koblenz aus fahren wir mit der Regionalbahn mit Umstieg in Luxemburg Stadt in zweieinhalb Stunden zum Startpunkt der Tour. Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten bis ans Flussufer. Kaum lassen wir die Stadt hinter uns, wird es überraschend ruhig. Die Mosel wirkt hier bereits deutlich breiter, als wir sie uns vorgestellt haben. Gemächlich fließt sie durch die Landschaft, nur vereinzelt sind Kanufahrer unterwegs. Der Radweg verläuft fast durchgehend flach und bietet einen entspannten Einstieg in unsere fünftägige Tour.

Unser Sohn genießt die ersten Kilometer im FollowMe sichtlich. Mal tritt er kräftig mit, mal ruht er sich aus und beobachtet die vorbeiziehende Landschaft. Für Familien mit kleineren Kindern ist diese Art des Radreisens aus unserer Sicht ideal, da auch längere Etappen ohne Zeitdruck möglich sind.

Unterwegs wechseln wir mehrfach die Uferseite. Bis auf wenige Meter an einer größeren Straße rollen wir dabei fast immer auf gut ausgebauten Radwegen direkt am Fluss entlang und sehen weder Straßen noch Autos. Langsam verändert sich die Landschaft: Die ersten Weinberge erscheinen, kleine Felsen säumen das Ufer und das Moseltal nimmt immer mehr den bergigen Charakter an, den wir mit dieser Region verbinden. In der Ferne entdecken wir das Atomkraftwerk Cattenom – ein eher ungewöhnlicher Anblick zwischen Weinbergen und Flusslandschaft.

Kurz vor der Grenze fällt unser Blick auf das hoch über der Mosel gelegene Château de Sierck. Die mittelalterliche Burg wäre mit einem kurzen Abstecher erreichbar, allerdings warten dafür einige zusätzliche Höhenmeter. Wir begnügen uns deshalb mit dem schönen Ausblick und setzen unsere Fahrt fort.

Im Grenzort Apach kommt noch einmal echtes Frankreich-Gefühl auf. Kleine Häuser mit Fensterläden, ein Baguette-Verkaufsstand und eine angenehm entspannte Atmosphäre prägen den Ort.

Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Perl und damit den offiziellen Beginn des deutschen Mosel-Radwegs. Gleichzeitig befinden wir uns am Dreiländereck, wo Deutschland, Frankreich und Luxemburg unmittelbar aufeinandertreffen. Wer noch etwas Zeit hat, sollte unbedingt einen kurzen Abstecher über die Brücke nach Schengen einplanen. Der kleine Ort erinnert mit den Sternen der Mitgliedsstaaten an drei Säulen und am Boden an das Schengener Abkommen und damit an einen Meilenstein der europäischen Geschichte.

Unsere Unterkunft, das WeinErlebnis Hotel Maimühle, liegt direkt an der Route am Bahnhof von Perl und bietet alles, was wir uns nach einem Radtag wünschen: einen sicheren Fahrradraum, ein geräumiges Zimmer und ein gutes Restaurant. Bei sommerlichen Temperaturen ist es im Zimmer zunächst zwar ziemlich warm, dank Querlüften und Ventilator schlafen wir trotzdem gut. Nach einem leckeren Abendessen lassen wir den ersten Tag ausklingen – voller Vorfreude auf den eigentlichen Start des Mosel-Radwegs am nächsten Morgen.

Gesamtstrecke: 31991 m
Maximale Höhe: 167 m
Minimale Höhe: 127 m
Download file: Moselradweg_1__Thionville__Perl.gpx

2. Tag: Perl – Trier (57 km)

Nach einem hervorragenden Frühstück im WeinErlebnis Hotel Maimühle schwingen wir uns wieder auf die Räder. Das Buffet lässt kaum Wünsche offen: Rührei, Speck und Lachs gehören ebenso dazu wie eine große Auswahl an Wurst, Käse, Müsli und frischen Backwaren. Besser kann ein Radtag kaum beginnen.

Schon wenige Minuten später rollen wir wieder direkt an der Mosel entlang. Der Radweg ist hervorragend ausgebaut, Autos spielen zunächst überhaupt keine Rolle und auf der gegenüberliegenden Flussseite begleitet uns den ganzen Tag Luxemburg. Schnell wird klar, warum der Mosel-Radweg zu den beliebtesten Flussradwegen Deutschlands zählt.

Bereits nach wenigen Kilometern verlassen wir die eigentliche Route für einen kurzen Abstecher zur römischen Villa in Nennig. Die 3 Euro Eintritt sind gut investiert. Herzstück der Anlage ist das rund 15 × 10 Meter große Mosaik, das als größtes römisches Fußbodenmosaik nördlich der Alpen gilt. Beeindruckend sind aber auch die gewaltigen Ausmaße der ehemaligen Villa, deren Grundrisse heute noch gut zu erkennen sind. Lediglich beim Mosaik hätten wir uns etwas mehr Informationen gewünscht. Es ist kaum nachzuvollziehen, welche Bereiche beziehungsweise Steinchen noch original erhalten und welche im Rahmen der Restauration ergänzt wurden.

Während wir die Villa besichtigen, fällt uns eine größere Radgruppe aus den USA auf. Begleitet von einem niederländischen Guide erkunden die Teilnehmer die Mosel und begegnen uns im Laufe des Tages immer wieder. Wie wir erfahren, kombinieren sie eine Flusskreuzfahrt mit einzelnen Radetappen – eine spannende Art, die Region kennenzulernen.

Zurück auf dem Radweg genießen wir die entspannte Fahrt entlang der Mosel. Der Weg ist durchgehend asphaltiert oder mit Betonplatten befestigt und lässt sich hervorragend fahren. Die Bahnlinie begleitet uns über weite Strecken, stört aber überhaupt nicht. Zwischen Nittel und Wellen rückt erstmals eine größere Straße näher an den Radweg heran. Dank eines kleinen Höhenunterschieds und dichter Büsche bleibt der Verkehr jedoch weitgehend im Hintergrund.

Kurz vor Trier treffen innerhalb weniger Kilometer gleich zwei bedeutende Nebenflüsse auf die Mosel. Bei Wasserbillig mündet die Sauer in den Fluss, wenig später erreicht auch die Saar bei Konz die Mosel. Die Sauermündung kennen wir bereits von unserer Tour auf dem Venn-Eifel-Mosel-Radweg. Diesmal folgen wir jedoch nicht der Sauer flussaufwärts, sondern bleiben auf dem Mosel-Radweg Richtung Trier.

In Konz legen wir noch einen kurzen Stopp an den Überresten einer römischen Kaiservilla ein. Nach dem beeindruckenden Mosaik in Nennig wirkt die Anlage allerdings deutlich unscheinbarer. Ohne Hintergrundinformationen fällt es schwer, sich die einstige Größe des Bauwerks vorzustellen.

Auch die letzten Kilometer nach Trier gefallen uns besonders gut. Obwohl wir uns einer Großstadt nähern, verläuft der Radweg durch einen grünen Uferstreifen direkt an der Mosel entlang. Erst kurz vor der Innenstadt wird deutlich, dass wir bereits eine der ältesten Städte Deutschlands erreicht haben.

Natürlich darf anschließend ein kleiner Rundgang durch Trier nicht fehlen. Die Römerbrücke beeindruckt uns besonders, denn ihre Pfeiler stammen noch aus der Römerzeit und tragen bis heute den Verkehr. Die Porta Nigra ist während unseres Besuchs zwar eingerüstet, bleibt aber trotzdem das Wahrzeichen der Stadt. Auch die historischen Trierer Lastenkräne direkt an der Mosel, mit denen früher Waren von den Schiffen be- und entladen wurden, und die verwinkelte Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern laden zum Bummeln ein.

Unsere Unterkunft für die Nacht ist das Park Plaza Trier. Das Hotel greift die römische Geschichte der Stadt an vielen Stellen auf. Schon auf den Fluren fallen Teppiche mit Motiven römischer Münzen auf, im Zimmer steht sogar eine römische Büste in einer Vitrine. Dazu kommen ein sicherer Fahrradraum in der Tiefgarage, ein großzügiges klimatisiertes Zimmer und ein Wellnessbereich – nach einem langen Tag im Sattel genau das Richtige.

Schon am Mittag schauen wir in den Kleinanzeigen nach einem gebrauchten Fahrrad-Kindersitz und werden schließlich in Trier fündig. Unser Sohn fährt kürzere Strecken begeistert selbst und längere Abschnitte im FollowMe mit, doch das viele Sitzen ermüdet ihn auf Dauer. Damit wir unterwegs flexibler bleiben und er bei Bedarf eine dritte, bequemere Option hat, entscheiden wir uns für den zusätzlichen Kindersitz. Rückblickend ist das eine sehr gute Entscheidung gewesen. – Auch wenn natürlich alle Transportmöglichkeiten bewegt werden müssen und der verfügbare Platz für unsere Radtaschen etwas spärlicher wird.

Den Abend verbringen wir im rustikalen Gasthaus Zur Glocke mitten in der Altstadt. Bei Lachs und Pasta mit Pfifferlingen lassen wir den Tag Revue passieren.

Gesamtstrecke: 56752 m
Maximale Höhe: 156 m
Minimale Höhe: 91 m
Download file: Moselradweg_2__Perl__Trier.gpx

3. Tag: Trier – Lösnich (86 km)

Nach den ersten beiden Etappen wartet heute die längste Strecke unserer Tour auf uns. Bevor wir uns aufs Rad schwingen, genießen wir allerdings erst einmal das hervorragende Frühstück im Park Plaza Trier. Das Buffet lässt wirklich keine Wünsche offen: Von Baked Beans, Porridge und Pancakes über Rührei, Frikadellen, Falafel, Hummus und Rote Bete bis hin zu einer großen Auswahl an Wurst, Käse und Müsli ist alles dabei. Besonders in Erinnerung bleibt uns aber die Honigwabe, von der sich jeder seinen Honig frisch abschneiden kann. Kein Wunder also, dass wir viel zu lange am Frühstückstisch sitzen und erst gegen halb elf loskommen – deutlich später als ursprünglich geplant.

Der am Vorabend organisierte Fahrrad-Kindersitz macht sich direkt bezahlt. Unser Sohn verbringt einen Teil der Strecke im neu organisierten Kindersitz und kann zwischendurch immer wieder im FollowMe selber mittreten. Gerade auf einer 86 Kilometer langen Etappe macht diese zusätzliche Flexibilität einen spürbaren Unterschied.

86 Kilometer mit Gepäck, Kind und ohne eBikes wirken zunächst nach einer echten Herausforderung. Dank der flachen Streckenführung, des hervorragend ausgebauten Radwegs und der vielen Möglichkeiten für kleine Stopps fühlt sich die Etappe jedoch deutlich kürzer an. Genau das macht den Mosel-Radweg aus: Man sammelt nicht einfach Kilometer, sondern entdeckt unterwegs ständig neue Orte, Ausblicke und Sehenswürdigkeiten.

Schon kurz nach dem Start wechseln wir auf die linke Moselseite. Der hervorragend ausgebaute Radweg verläuft meist direkt am Fluss entlang. Zwischen uns und der Bundesstraße liegen zunächst noch die Bahngleise, sodass vom Verkehr kaum etwas zu sehen oder zu hören ist. Die gesamte Etappe ist durchgehend befestigt und führt überwiegend auf eigenständigen Radwegen. Nur auf wenigen kurzen Abschnitten verläuft der Radweg direkt neben der B53.

Nach einigen ruhigen Kilometern erreichen wir Pfalzel. Der kleine Ort überrascht mit einem historischen Ortskern, einem ehemaligen Kloster und eindrucksvollen Resten der antiken Befestigungsanlage. Kurz darauf sorgen gleich zwei ausgeschilderte Umleitungen dafür, dass wir etwas aufmerksamer navigieren müssen.

Natürlich dürfen auch heute kleine Pause nicht fehlen. Während unser Sohn begeistert Steine ins Wasser wirft, genießen wir den Blick auf den Fluss und die vorbeiziehenden Schiffe.

Wenig später verändert sich die Landschaft schlagartig. Der Radweg führt durch den Industriehafen von Trier und vorbei an alten Werkshallen, abgestellten Güterwagen und einem Schrottplatz. Dieser Abschnitt bildet einen spannenden Kontrast zur ansonsten eher idyllischen Strecke. Kurz darauf überqueren wir die Kyll. Den Fluss kennen wir bereits von unserer Tour auf dem Venn-Eifel-Mosel-Radweg. Diesmal bleiben wir jedoch auf dem Mosel-Radweg und folgen weiter dem Fluss Richtung Bernkastel-Kues.

Hinter der Kyll wird es wieder deutlich grüner. Denn der Radweg verläuft vermutlich auf einem ehemaligen Bahndamm und führt angenehm eben durch die Landschaft. In Schweich entdecken wir den historischen Fährturm, der heute zu einem Restaurant umgebaut wurde. Anschließend überqueren wir wenige Meter später die Mosel und genießen den schönen Blick zurück auf das markante Bauwerk.

Auch wenn der Mosel-Radweg insgesamt ausgesprochen flach verläuft, warten zwischendurch immer wieder kurze, aber durchaus knackige Anstiege. Einer davon führt uns hinauf zur Villa Urbana in Longuich. Schon der Weg dorthin lohnt sich: Zwischen Weinstöcken geht es langsam bergauf, vorbei an einem kleinen Kneippbecken und mit herrlichen Ausblicken über das Moseltal. Oben angekommen sind wir die einzigen Besucher. Die hervorragend restaurierte Villa beeindruckt mit ihren beleuchteten Innenräumen und vermittelt einen tollen Eindruck vom Leben der Römer.

Nur wenige Kilometer später wartet mit der Villa Rustica in Mehring bereits das nächste Zeugnis der Römerzeit. Die Anlage unterscheidet sich deutlich von der Villa Urbana. Besonders gefallen uns der original erhaltene Keller und der kostenlose Audioguide in der Lauschpunkte-App, der die Geschichte der Villa anschaulich erklärt. Praktisch für Familien sind außerdem das öffentliche WC und der kleine Spielplatz direkt neben der Anlage.

Hinter Mehring zeigt sich der Mosel-Radweg noch einmal von seiner schönsten Seite. Neben uns gibt es zeitweise überhaupt keine Straße mehr – nur den Radweg, die Mosel und die steilen Weinberge. Immer wieder fragen wir uns, wie die Winzer an diesen Hängen im Herbst überhaupt die Trauben ernten können, ohne dass alles den Hang hinunterfällt. Immer wieder sehen wir einspurige Bahnen, die sich fast senkrecht den Berg hinauf – zumindest wirkt es von unten so – durch die Steillagen ziehen und mit denen Material und Ernte transportiert werden.

In Leiwen legen wir eine längere Pause auf dem Wasserspielplatz ein. Mit Wasserpumpe, Matschbahn, kleinen Fontänen und Kneippbecken ist er genau das Richtige für warme Sommertage und sorgt bei unserem Sohn für leuchtende Augen.

In Trittenheim überqueren wir die Mosel über die Brücke zwischen den beiden Fährtürmen. Fährtürme wurden genutzt um ein Seil dazwischen zu spannen und die Fähre daran zu hängen, damit diese von der Strömung nicht abgetrieben wurde. Außerdem wohnten die Fährmännern in den Türmen. Das Fährturmpaar in Trittenheim ist das einzige erhaltene an der Mosel und ein echter Blickfang. Im Zentrum von Trittenheim gönnen wir uns beim Weingut Claes eine erfrischende Traubenschorle. Dabei kommen wir mit den Winzern ins Gespräch und erfahren, dass es im Ort nur noch wenige Vollzeit-Winzer gibt. Außerdem erzählen sie uns vom Trittenheimer Apotheker, einem weltbekannten Riesling, dessen Name Weinliebhabern auf der ganzen Welt ein Begriff ist.

In Neumagen-Dhron halten wir Ausschau nach der Stella Noviomagi, dem größten schwimmfähigen Nachbau eines römischen Weinschiffs im deutschsprachigen Raum. Leider liegt das Schiff bei unserer Ankunft nicht am Anleger und wir müssen uns mit den Erklärtafeln begnügen.

Die Strecke bleibt auch danach ein echtes Highlight. Links und rechts der Mosel reihen sich Weinberge aneinander, teilweise so steil, dass man sich kaum vorstellen kann, wie hier Weinbau überhaupt möglich ist. Besonders gefällt uns, dass der Radweg nicht immer direkt am Fluss verläuft. Immer wieder führt er ein Stück höher zwischen den Rebstöcken hindurch und eröffnet neue Ausblicke über das Moseltal. Hinter nahezu jeder Kurve verändert sich das Landschaftsbild ein wenig – langweilig wird es auf dieser Etappe garantiert nicht.

Nur hinter Piesport müssen wir für einige Kilometer direkt neben der B53 fahren. Der Verkehr hält sich zwar in Grenzen, dennoch gefällt uns dieser Abschnitt deutlich weniger als die autofreien Kilometer zuvor. Ausgerechnet hier erwischt mich dann auch noch ein Platten. Eine Heftzwecke hat sich durch den Reifen gebohrt. Noch bevor wir richtig mit der Reparatur beginnen können, bietet uns ein vorbeikommendes Paar sofort seine Hilfe an. Zum Glück ist das Loch schnell geflickt und wir können unsere Tour ohne größere Verzögerung fortsetzen.

Je näher wir Bernkastel-Kues kommen, desto mehr Radfahrer begegnen uns. Während auf den ersten beiden Etappen überraschend wenig los war, teilen wir uns den Radweg heute mit zahlreichen anderen Tourenradlern – viele davon mit voll bepackten Fahrrädern auf mehrtägiger Reise entlang der Mosel.

Am frühen Abend erreichen wir schließlich Bernkastel-Kues. Schon nach wenigen Metern wird klar, warum der Ort zu den beliebtesten Reisezielen an der Mosel zählt. Prächtige Fachwerkhäuser, verwinkelte Gassen und liebevoll restaurierte Gebäude verleihen dem historischen Stadtkern eine ganz besondere Atmosphäre.

Unsere Unterkunft im Weingut Kiebel liegt im nahegelegenen Lösnich. Das leckere Essen, der kleine Spielplatz mit Rutsche und Kinderküche sowie die entspannte Atmosphäre machen den Abschluss dieses Tages perfekt.

Rückblickend ist die dritte Etappe trotz ihrer 86 Kilometer unser persönliches Highlight der gesamten Tour. Die Mischung aus traumhaften Weinlandschaften, spannender Römergeschichte, kleinen Winzerorten und nahezu durchgehend hervorragend ausgebauten Radwegen macht diesen Abschnitt des Mosel-Radwegs für uns zu einem echten Höhepunkt.

Gesamtstrecke: 86783 m
Maximale Höhe: 158 m
Minimale Höhe: 85 m
Download file: Moselradweg_3__Trier__Loesnich.gpx

4. Tag: Lösnich – Treis-Karden (78 km)

Nach den üppigen Frühstücksbuffets der vergangenen Tage geht es heute etwas familiärer zu. Im Frühstücksraum des Gästehauses finden gerade einmal drei Tische mit Gästen Platz. Die Auswahl ist zwar kleiner, lässt aber kaum Wünsche offen: Wurst, Käse, gekochte Eier, Tomate-Mozzarella, Antipasti und Müsli stehen bereit und alles wird immer wieder frisch nachgelegt. Gut gestärkt starten wir in unsere vierte Etappe.

Von Lösnich aus führt der Radweg wieder durch die Weinberge. Noch einmal genießen wir die herrlichen Ausblicke auf die Mosel und die steilen Rebhänge. Leider ändert sich das Bild ab Traben-Trarbach. Von hier an verläuft der Radweg über weite Strecken direkt neben der Bundesstraße. Die Landschaft bleibt zwar reizvoll, der Verkehr nimmt dem Mosel-Radweg jedoch einiges von seinem sonst so entspannten Charakter.

Traben-Trarbach selbst gefällt uns dafür umso besser. Die historische Altstadt von Trarbach lädt mit ihren schönen alten Häusern und dem markanten Glockenturm zu einem kurzen Bummel ein. Das Glockenspiel haben wir leider verpasst, da wir zu früh am Tag vorbeikamen. Rückblickend hätten wir uns hier sogar etwas mehr Zeit nehmen können.

Heute begegnet uns außerdem immer wieder das Binnenschiff Sublime. Es überholt uns nur während unserer Pausen, während wir radelnd immer wieder an ihm vorbeifahren. So geht es bestimmt vier oder fünf Male. Gleichzeitig fällt uns auf, wie häufig entlang der Strecke für Spezialitäten rund um den Weinbergpfirsich geworben wird – ob als Marmelade, Likör oder Kuchen. Einige Winzer bieten ihren Wein sogar in Verkaufsautomaten entlang des Weges an.

Beim nächsten Mal würden wir die Strecke etwas anders planen. Die linke Moselseite wirkt auf diesem Abschnitt deutlich ruhiger als die offizielle Route und wir würden schon in Traben-Trarbach auf die linke Seite wechseln. Wir selbst wechseln erst in Pünderich mit der Fähre ans andere Ufer. Die letzte Fahrt vor der Mittagspause erwischen wir gerade noch. Die kurze Überfahrt kostet 4 Euro pro Erwachsenen inklusive Fahrrad und gehört mit dem anschließenden Radweg direkt am Fluss zu den schönsten Momenten des Tages.

Schon wenig später wechselt auch die offizielle Route auf die linke Moselseite. Leider wechselt gleichzeitig auch die Bundesstraße mit hinüber und der Radweg verläuft direkt neben der Straße. Wer den Verkehr möglichst meiden möchte, bleibt unserer Meinung nach besser bis Neef auf der rechten Moselseite. Wer unbefestigte Wege nicht scheut, kann sogar überlegen den Rest der Tagesetappe komplett auf der rechten Seite zu bleiben – laut unserem Mosel-Radwegführer von Bikeline ist dies möglich.

Unterwegs genießen wir auf Höhe von Bremm den Blick auf die Klosterruine Stuben. Markant erheben sich die Außenmauern des langgestreckten Baus mit Aussparungen der Fenster auf der gegenüberliegenden Moselseite. Ab Eller verläuft der Radweg für einige Kilometer wieder einsam direkt am Fluss, sodass die Fahrt sofort deutlich angenehmer wird.

An einem kleinen Imbiss legen wir eine Pause ein. Die Betreiberin bietet uns ganz selbstverständlich an, unsere Wasserflaschen mit kühlem Leitungswasser zu füllen. Solche kleinen Begegnungen bleiben oft genauso in Erinnerung wie die großen Sehenswürdigkeiten.

Hinter Senhals rückt die B49 allerdings erneut direkt an den Radweg heran und begleitet uns bis nach Cochem. Nach den ersten drei Etappen merken wir langsam auch die vielen Kilometer im Sattel – vor allem Tobi kämpft inzwischen mit Sitzschmerzen.

Cochem empfängt uns an diesem Samstag mit jeder Menge Trubel. Die Altstadt ist voller Besucher, mehrere Ausflugsschiffe haben an der Spundwand festgemacht und hoch über allem thront die Reichsburg. Trotz der vielen Menschen gefällt uns der Ort ausgesprochen gut. Besonders das Fuchsloch, ein schmaler Durchgang, der früher das kleinste Stadttor Cochems war, bleibt uns ebenso in Erinnerung wie das große Kachelmosaik zur Stadtgeschichte am Endertor. Natürlich darf zum Abschluss des Stadtbummels auch ein Eis nicht fehlen.

Die letzten Kilometer bis Treis-Karden verlaufen dann eher unspektakulär neben der Straße. Laut unserem Radreiseführer gäbe es auf der gegenüberliegenden Moselseite eine Alternative über unbefestigte Wege – im Nachhinein hätten wir gerne diese Variante ausprobiert.

Unsere Unterkunft für die Nacht ist das Gästehaus des Weinguts Knaup in Treis-Karden. Fahrräder können sicher im Schuppen untergestellt werden und die gut besuchte Gaststätte sorgt für einen gemütlichen Ausklang des Tages.

Auch wenn diese Etappe landschaftlich weiterhin einiges zu bieten hat, kann sie mit den ersten drei Tagen nicht ganz mithalten. Zu häufig verläuft der Radweg direkt am Rand der Bundesstraße. Trotzdem sorgen Orte wie Traben-Trarbach und Cochem sowie die vielen Weinberge dafür, dass sich auch dieser Abschnitt der Tour lohnt.

Unsere Route:

Gesamtstrecke: 78084 m
Maximale Höhe: 145 m
Minimale Höhe: 53 m
Download file: Moselradweg_4__Loesnich__Treis.gpx

Und eine alternative Route, die uns schöner erscheint (unerprobt):

Gesamtstrecke: 84118 m
Maximale Höhe: 139 m
Minimale Höhe: 57 m
Download file: Moselradweg_4__Loesnich__Treis__Variante.gpx

5. Tag: Treis-Karden – Koblenz (43 km)

Nach vier Etappen entlang der Mosel wartet zum Abschluss eine kürzere Strecke auf uns. Das Frühstück im Weingut Knaup überzeugt uns. Erneut bleiben wir länger sitzen als ursprünglich geplant. Nicht nur Hausgäste, sondern auch externe Besucher können hier frühstücken – ein gutes Zeichen, denn entsprechend reichhaltig fällt das Buffet aus.

Eigentlich freuen wir uns auf einen entspannten Abschluss entlang der Mosel. Aufgrund einer Baustelle ist die rechte Moselseite jedoch gesperrt, sodass wir ein Stück entlang der B416 ausweichen müssen. Zum Glück bleibt dieser Abschnitt nicht allzu lang.

Bei Moselkern versuchen wir einen Blick auf die berühmte Burg Eltz zu erhaschen, die wir bei einer früheren Wanderung bereits besucht haben. Leider verhindern die bewaldeten Hänge jede Sicht auf die Burg. Wer sie besuchen möchte, sollte dafür unbedingt ausreichend Zeit einplanen – der Abstecher lohnt sich.

Kurz darauf entdecken wir auf der gegenüberliegenden Moselseite die hoch über Alken thronende Burg Thurant. Auch hier verzichten wir auf den Aufstieg. Nach fast 300 Kilometern im Sattel locken uns heute eher die flachen Radwege als zusätzliche Höhenmeter – und für Koblenz möchten wir uns vor der Heimreise lieber noch etwas Zeit nehmen.

Schon nach kurzer Zeit, bei Oberfell, verbessert sich die Strecke spürbar. Der Radweg verläuft nun durch Bahnschienen getrennt von der Bundesstraße und mit einen Höhenversatz. Dadurch ist die Straße kaum noch wahrnehmbar und sofort wird die Fahrt deutlich angenehmer. Als Highlight für unseren Sohn begleiten uns nun einige Güter- und Personenzüge. Er verfolgt jeden einzelnen Zug begeistert, sodass die Zeit wie im Flug vergeht.

Immer wieder rollen wir durch kleine Moselorte wie Kobern-Gondorf. Hoch über dem Ort thronen die Oberburg und die Niederburg. Auch wenn wir sie diesmal nur vom Radweg aus betrachten, prägen sie gemeinsam mit den Weinbergen noch einmal das typische Bild des unteren Moseltals.

Je näher wir Koblenz kommen, desto mehr steigt die Vorfreude auf das Ziel. Vorher legen wir allerdings noch einen Stopp am Mosellum ein. Das kostenfreie Erlebnismuseum direkt am Laufwasserkraftwerk überrascht uns positiv. Besonders spannend finden wir den Blick von oben und unten auf den Fischpass (eine Fischtreppe über das Staubauwerk) sowie die zahlreichen Audiostationen, die die Themen Wasserkraft und Fischwanderung anschaulich erklären.

Wenig später ist es dann endlich so weit: Wir erreichen das Deutsche Eck. Nach fünf Tagen entlang der Mosel endet unsere Tour genau dort, wo die Mosel in den Rhein mündet. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bildet die passende Kulisse für das obligatorische Erinnerungsfoto.

Während wir die Atmosphäre genießen, zieht ein Seifenblasenkünstler die Aufmerksamkeit aller Kinder auf sich. Riesige schillernde Seifenblasen schweben über den Platz und unser Sohn jagt ihnen gemeinsam mit vielen anderen Kindern begeistert hinterher. Schöner kann ein Tourabschluss kaum sein.

Bevor wir uns auf den Heimweg machen, stärken wir uns noch mit einer Currywurst und einer Erbsensuppe am Imbiss. Anschließend schweben wir mit der Seilbahn hinauf zur Festung Ehrenbreitstein auf der anderen Rheinseite und genießen ein letztes Mal den Blick über Rhein, Mosel und das Deutsche Eck.

Die Festung selbst ist zweifellos beeindruckend groß und bietet von oben einen weiten Panoramablick über Koblenz und das Zusammenfließen von Rhein und Mosel. Besonders nett finden wir die multimediale Ausstellung in den unterirdischen Gewölben, in der die Geschichte der Festung mit Ton, Licht und Projektionen an die alten Mauern gebracht wird. Richtig spannend finden wir die Festung zwar nicht – uns ist sie zu modern, aber für einen letzten Stopp mit Aussicht und ein wenig Geschichte ist sie durchaus einen Besuch wert. Danach bringt uns der Zug wieder nach Hause.

Gesamtstrecke: 42576 m
Maximale Höhe: 145 m
Minimale Höhe: 35 m
Download file: Moselradweg_5__Treis__Koblenz.gpx

Fazit

Der Mosel-Radweg gehört für uns zu den schönsten Flussradwegen Deutschlands. Besonders die Mischung aus steilen Weinbergen, idyllischen Winzerorten, römischer Geschichte und den meist hervorragend ausgebauten Radwegen macht die Tour so abwechslungsreich. Nicht jeder Abschnitt konnte uns gleichermaßen überzeugen – vor allem zwischen Traben-Trarbach und Cochem verläuft der Radweg häufig direkt neben Bundesstraßen. Wer nur einen Teil des Mosel-Radwegs fahren möchte, sollte deshalb die Etappe zwischen Trier und Bernkastel-Kues genauer in den Blick nehmen. Für uns vereint sie alles, was den Mosel-Radweg ausmacht: traumhafte Weinberge, Römergeschichte, kleine Winzerorte und fast durchgehend autofreie Radwege.

Auch als Familien-Radtour hat uns die Strecke begeistert. Unser Sohn war mit dem FollowMe und dem später ergänzten Kindersitz bestens unterwegs, sodass neben den Kilometern auch genügend Zeit für Steinewerfen am Moselufer, Wasserspielplätze und spontane Pausen blieb. Vom französischen Thionville bis zum Deutschen Eck in Koblenz war die fünftägige Tour für uns eine rundum gelungene Reise – und ganz sicher nicht unser letzter Besuch an der Mosel.

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