Die Römer-Lippe-Route gehört zu den abwechslungsreichsten Fernradwegen in Nordrhein-Westfalen. Auf rund 295 Kilometern verbindet sie Natur, Römergeschichte und ganz unterschiedliche Landschaften – vom Teutoburger Wald über die Lippeauen hin zum nördlichen Ruhrgebiet.
Wir fahren die Hauptroute mit Muskelkraft in fünf Etappen: ohne E-Bike, dafür mit fast vierjährigem Kind im Kindersitz. Unterwegs wechseln sich weite Wiesen, grüne Wälder, idyllische Stadtparks, ruhige Deichwege, Schotterpisten entlang von Kanal und Lippe, historische Römerlager und überraschend viele gute Spielplätze ab. Gerade diese Mischung macht die Route auch für Familien spannend.





Was uns besonders gefällt: Die Römergeschichte begleitet die Tour nicht nur nebenbei. Die Lippe war eine wichtige Militär- und Versorgungsroute des Imperium Romanum. Entsprechend stößt man unterwegs immer wieder auf Spuren der römischen Besatzungszeit.
Dabei steigern sich die Römerstationen für uns von Tag zu Tag: Anreppen liefert vor allem Hintergrundwissen, in Bergkamen entstehen durch die Menschen vor Ort plötzlich konkrete Bilder im Kopf, Haltern lädt zum Mitmachen ein und in Xanten wird sichtbar, wie groß und komplex die römischen Siedlungen entlang des Rheins einst waren.
Außerdem gibt es zusätzliche Wegschleifen zum Thema Wassererlebnis oder Römerkultur. An den Abzweigungen stehen Infotafeln, markiert sind sie mit blauen beziehungsweise roten Symbolen. Diese Erweiterungen sind wir jedoch nicht gefahren.

Wichtig bei der Planung: Nicht jeder Ort entlang der Route bietet Übernachtungsmöglichkeiten. Gerade mit Familie lohnt sich ein Blick auf die Unterkunftsübersicht der offiziellen Homepage. Unsere Kilometerangaben beziehen sich jeweils auf unsere tatsächlich gefahrene Strecke inklusive kleiner Abstecher – etwa zu Spielplätzen.
Mit Hilfe des Teams der Ruhr Tourismus teilen wir die Route in fünf Etappen auf, die am An- und Abreisetag etwas kürzer sind und sich ansonsten sehr gut verteilen:
- Detmold – Paderborn (53 km)
- Paderborn – Lippetal (62 km)
- Lippetal – Lünen (76 km)
- Lünen – Dorsten (62 km)
- Dorsten – Xanten (51 km)
1. Tag: Detmold – Paderborn (53 km)
Detmold erreichen wir unkompliziert mit der Regionalbahn mit Umstieg in Paderborn. Gegen 12 Uhr starten wir – nicht besonders früh, aber dafür entspannt. Zunächst rollen wir wellig durch ruhige Wohnstraßen und das beschauliche Detmold. Ein Anwohner auf dem Liegefahrrad wünscht uns eine tolle Radreise und berichtet, dass er dieselbe Route vor einigen Jahren mit viel Gegenwind gefahren ist. Wir sind gespannt und voller Vorfreude was uns erwartet.

Am Fuß des Teutoburger Walds beginnt ein langer Anstieg. Etwa fünf Kilometer lang geht es insgesamt 250 hm steil bergauf, wir treten dauerhaft im kleinsten Gang. Es gibt leider keinen Radweg und auf der breiten Landstraße gilt Tempo 70. Es herrscht zum Glück nicht viel Verkehr, doch gerade mit Kind fühlt sich das nicht optimal an.
Nach einem schweißtreibenden Anstieg und mit brennenden Beinen erreichen wir das eindrucksvolle Hermannsdenkmal – den eigentlichen Startpunkt der Route. Möchtet ihr die Aussicht von oben auf Detmold genießen, muss ein kleiner Eintritt bezahlt werden. Es lohnt sich, bereits hier zu entscheiden, ob ihr später auch die Externsteine besteigen wollt, denn es gibt für 8 Euro ein Kombiticket. Das Hermannsdenkmal erhebt sich insgesamt 53 Meter hoch über den Teutoburger Wald. Oben steht die kupferne Statue des Arminius mit in den Himmel gerichtetem Schwert. Rund um den Sockel sind Sitzbänke im Kreis angeordnet. Ein Restaurant und einen Spielplatz gibt es auch. Wir legen eine erste – wie wir finden wohlverdiente – Pause ein.

Nun müssen wir ein kleines Stück denselben Weg wieder zurück. Eben sind wir noch mühsam hochgekurbelt, nun geht es rasant steil bergab. Danach bleibt die Strecke wellig, tendenziell ansteigend und anstrengend. Besonders schön ist ein Abschnitt durch offene Felder mit weitem Blick auf Gräser, Blumen, Weiden und kaum Verkehr.
Rund um Holzhausen wird es dann richtig steil. Leider streikt mein kleinster Gang. Mit Gepäck und Kind bin ich gezwungen die steilsten 100 Meter zu schieben. Ohne E-Bike braucht es hier auf jeden Fall fitte Beine und etwas Leidensfähigkeit.


Die Belohnung in Form der Externsteine bei Horn-Bad Meinberg ist bald erreicht. Schon von weitem wirken die bis zu 47 Meter aufragenden Sandsteinfelsnadeln beeindruckend. Geologisch stammen sie aus der Kreidezeit und wurden über Millionen Jahre freigelegt. Über Treppen gelangt man auf zwei der Felsen, eine hölzerne, rundgewölbte Brücke führt zu einem dritten Felsen. Am Fuß der Felsnadeln liegt ein idyllischer Teich, eingerahmt von alten Bäumen, und mehrere (abgesperrte) Grotten.
Während wir die nächste Pause einlegen und andere Wanderer und Radfahrer beobachten, sitzt auf der Wiese neben uns eine Gruppe junger Männer mit Trommeln und einem Didgeridoo. Die monotonen Klänge wirken fast meditativ und passen erstaunlich gut zur besonderen Atmosphäre des Ortes.



Zwischen den Externsteinen und Bad Lippspringe folgt viel Schotter. Ein Tourenfahrrad oder Gravelbike ist hier wie auch an vielen weiteren Abschnitten der Tour einem Rennrad deutlich überlegen. Wir fahren erhöht am Hang, die Hauptstraße liegt weit unter uns. Der höchste Punkt der gesamten Tour ist bald passiert und wir befinden uns auf der anderen Seite der Teutoburger Berge.
Unterwegs entdecken wir auf dem Weg nach Bad Lippspringe mehrere richtig schöne Spielplätze. Besonders den Spielplatz am Dedingerheide See mit Klettergerüst in Schiffsform und Wasserspielbereich behalten wir positiv in Erinnerung.


In Bad Lippspringe genießen wir einen grünen Stadtpark, die Lippequelle und die direkt angrenzend liegende Burgruine. Die meisten Flussradwege beginnen an der Quelle und enden an der Mündung. Heute sind wir zunächst mit den monumentalen Sehenswürdigkeiten abseits des Flusses gestartet und erreichen die Lippequelle erst jetzt. Ein besonderes Zwischenziel!


Schließlich gelangen wir entspannt vorbei an Feldern und entlang großer Baumschulen nach Paderborn. Der Weg in die Innenstadt ist wenig attraktiv und führt entlang einer großen Hauptstraße. Die Altstadt selbst dagegen ist sehr schön und die Route führt mitten hindurch. Besonders der riesige Dom prägt das Stadtbild. Das berühmte Drei-Hasen-Fenster im Kreuzgang des Doms finden wir zwar nicht, dafür landen wir im türkischen Restaurant „Grill Imperial“, das sich als echter Glücksgriff erweist.




Müde erreichen wir das Welcome Hotel Paderborn. Das Hotel bietet auch einen kleinen Saunabereich, der gegen 3 Euro Aufpreis genutzt werden kann. Nach dem langen ersten Tag fehlt uns dafür allerdings die Energie – stattdessen fallen wir nur ins Bett.


Maximale Höhe: 368 m
Minimale Höhe: 101 m
2. Tag: Paderborn – Lippetal (62 km)
Der 1. Mai zeigt sich von seiner sonnigsten Seite, hat aber vielleicht ein Trauma bei unserem Sohn hinterlassen – dazu später mehr. Durch das wunderbare Wetter und den Feiertag sind überall Radfahrer und Bollerwagen unterwegs.
Wir starten gemütlich in den Tag. Das Frühstück im Welcome Hotel Paderborn ist ungewöhnlich umfangreich: Neben Brot, Brötchen, Variationen von Ei und Müsli, gibt es sogar Pancakes, Arme Ritter und Besonderes wie Hummus, Lachs, Rote Bete und vieles mehr. Erst gegen 11 Uhr sitzen wir wieder auf dem Rad.



Direkt aus Paderborn hinaus führt die Route entlang der Pader. Der nur vier Kilometer lange Fluss gilt als kürzester Fluss Deutschlands. Die Wege sind grün und wunderschön zu fahren. Die Route ist geschickt entlang eines grünen Bands aus der Stadt hinaus geplant. Nur der Fakt, dass wir gerade erst gestartet sind, hält uns davon ab auf verschiedenen Spielplätzen direkt zu pausieren.
Das Wasserschloss Neuhaus besichtigen wir nur kurz von außen und versuchen etwas voranzukommen. Entlang vieler Seen, die durch den Abbau von Sand entstanden sind, radeln wir in Richtung Delbrück. Die immer wieder kehrenden Wasserblicke sind ein Genuss und wir sagen bereits jetzt, dass diese Etappe das Potenzial hat die landschaftlich schönste zu werden.




Das Römerlager Anreppen wirkt dann zunächst eher unscheinbar. Vor Ort sieht man wenig, aber die Informationen in einer Hütte sind gut aufbereitet. Auf dem Gelände, das die damaligen Maße absteckt, geben weitere Schilder Hinweise und es können via QR-Code sogar Audio-Guides aufgerufen werden. Etwa 5.000 Soldaten waren hier stationiert und das Gelände ist entsprechend weitläufig. Die ehemalige Hauptstraße „via principalis“ ist als Orientierung markiert.


Danach fahren wir überwiegend auf ruhigen Sträßchen durch Felder. Besonders angenehm ist der Abschnitt am schmalen Boker-Heide-Kanal neben dem der nur von Fahrrädern befahrene Weg über viele Kilometer verläuft. Von der Lippe selbst sieht man allerdings lange nichts. Erst bei Lipperode erreichen wir den Fluss wieder und die Landschaft ist sogar noch idyllischer als zuvor. Die Burgruine Lipperode verpassen wir ehrlich gesagt komplett, obwohl wir direkt daran vorbeigefahren sein müssten. Da war unsere Aufmerksamkeit gerade wohl woanders.

In Lippstadt legen wir eine längere Pause ein. Der Spielplatz mit dem großen Enten-Klettergerüst und der langen Röhrenrutsche begeistert unseren Sohn sofort. Es ist brechend voll und viele Menschen verbringen ihren Nachmittag auf dem Spielplatz oder am Wasser. Ebenfalls am Wasser sitzend genießen wir die Sonne und stärken uns. Eine Gans kommt aufdringlich nah und schnappt nach dem Brot unseres Sohnes. Wir erschrecken alle drei und unser Sohn hat leider kleine Wunden vom Zuschnappen am Finger. Seine Lust auf Kontakt zu Gänsen ist verständlicher Weise aufgebraucht und die Geschichte wird ihn in den folgenden Tagen noch mehrfach beschäftigen.


Die folgende Stiftsruine mitten in Lippstadt stellt einen Gegenpol zu unserem trubeligen Pausenplatz am Wasser dar. Es ist möglich die Ruine, die nur noch aus den Außenmauern eines Klosters besteht, zu Fuß zu umrunden. Im Schatten der alten Bäume lädt dieser Ort zum Entschleunigen ein.

Weiter geht es in der Nähe der Lippe. Mal sehen wir den Fluss, mal verschwindet er wieder hinter Bäumen oder Wiesen. Ein paar Paddler ziehen gemütlich vorbei. Es lohnt sich die Augen offen zu halten. Immer wieder sind Aussichtspunkte nur wenige Meter abseits der Route ausgeschildert. Am „Pastorat Kamp“ und „Scheelhasseweg“ verweilen wir mit Blick auf das Feuchtgebiet, beobachten Vögel und Bienen. Es ist herrlich! Man soll hier auch Wildpferde beobachten können – das war uns allerdings leider nicht vergönnt.

Kurz vorm Tagesziel ist Schloss Hovestadt erreicht. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, wie schön unsere heutige Unterkunft sein würde, und legen hier eine lange Pause ein. Der Schlossgarten ist zugänglich, wirkt aber stellenweise etwas verwildert. Eine Brücke ist marode und deshalb gesperrt. Im weitläufigen Garten sucht ihr Blumenbeete jedoch vergeblich, er ähnelt eher einem Heckenlabyrinth.

Unsere heutige Unterkunft, das Bed & Breakfast „Haus Tourneur“ in Lippetal-Herzfeld, gefällt uns sehr. Herzliche Gastgeber, ein schönes Zimmer mit Blick in den Garten, eine eigene Dachterrasse und sogar eine private Sauna nennen wir für heute unser eigen. Es gibt sogar eine Garage, in der wir unsere Räder sicher parken können.



Die Essenssuche am Abend gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die uns empfohlenen Restaurants „Landhof Kesseler“ und „Gasthof Meier“ waren beliebte Ziele von Ausflüglern zum 1. Mai und boten leider kein Abendessen mehr an. Die Wirte im Ort halten jedoch zusammen. Und so empfiehlt uns der Gasthof Meier eine Reihe anderer Restaurants im Ort von denen wir uns für das griechischen Restaurant „Tassis“ entscheiden. Dort gibt es große Portionen griechischer Köstlichkeiten. Insgesamt ist die Auswahl der Restaurants für einen kleinen Ort extrem gut.
Diese Etappe werden wir als schönste der gesamten Tour in Erinnerung behalten. Ruhig, naturnah und fast ohne größere Straßen sind wir rund um zufrieden. Die Etappenlänge passte gut. In Anbetracht des anstrengenden Vortags hätte sie auch etwas länger sein dürfen, um die Kilometer am Anreisetag leicht zu kürzen.
Maximale Höhe: 122 m
Minimale Höhe: 54 m
3. Tag: Lippetal – Lünen (76 km)
Ich halte den fast mannshohen, schweren Gladiatorenschild mit meiner linken Hand vor mich. Unser Sohn hat ein Kurzschwert in der Hand – bei nur einem Meter Körpergröße sieht es gar nicht so kurz aus – und haut freudig auf das Schild ein. Der Besitzer dieser Gladiatorenutensilien und seine Mitstreiter erzählen uns begeistert von ihrem Hobby, Gladiatorenkämpfe in der heutigen Zeit nachzustellen. Wir befinden uns gerade im Römerpark Bergkamen und haben Glück genau den Tag der Saisoneröffnung zu treffen. Dies und vieles mehr könnt ihr auf der Römer-Lippe-Route erleben.
Aber in Ruhe von Anfang an: Beim Frühstück im Haus Tourneur wird schnell klar, dass die Gastgeber mit Herzblut dabei sind. Seit dem die Kinder vor zwölf Jahren ausgezogen sind, führen die beiden das Bed & Breakfast. Das Haus befindet sich seit fünf Generationen in Familienbesitz und die Ahnentafel im Frühstücksraum zeigt den Stolz darauf.
Gemeinsam mit einem Gästepaar, das ebenfalls mit dem Rad – allerdings in entgegengesetzter Richtung – unterwegs ist, sitzen wir am großen Tisch und bekommen Geschichten von Gästen aus aller Welt erzählt. Gleich ihr erster Gast ist den beiden besonders in Erinnerung geblieben: Ein Amerikaner, der nach 120 Kilometern völlig erschöpft ankam und erst einmal mehrere Tage „aufgepäppelt“ werden musste. So sitzen wir viel länger am Frühstückstisch als geplant, schmieren uns noch ein Brötchen für den Weg und starten entspannt in den Tag.



Nachdem wir die Räder aus der Garage geschoben haben, beginnt die Etappe eher ruhig auf geteerten Feldwegen ohne besondere Highlights. Rund um das zwischen Bäumen und Wassergräben gelegene Haus Assen wird es landschaftlich sehr schön. Ab Hultrop folgen wir längere Zeit einer alten Bahntrasse, die unseren Sohn sehr begeistert.



Am Horizont taucht immer wieder das riesige Kraftwerk von Hamm-Uentrop auf. Schließlich fahren wir auf waldigen Wegen direkt daran vorbei. Ab Uentrop irritiert uns die Streckenführung etwas. Direkt am Kanal führt ein Weg bis nach Hamm, doch wir werden im Zickzack von Dorf zu Dorf geleitet.



Am Schloss Oberwerries wird gerade eine Hochzeit gefeiert, doch unser persönliches Highlight ist die Lippefähre „Lupia“. Das kleine Floß wird von den Passagieren selbst per Seil über die Lippe gezogen. Mehrere solcher Fähren mit schönen Namen wie „Maifisch“ und „Baldur“ queren die Lippe. Gerne hätten wir diese Fähren auch benutzt, doch nur die „Lupia“ liegt direkt auf der Hauptroute, die übrigen Fähren werden nur verwendet, wenn die thematischen Wegeschleifen genutzt werden. Beim nächsten Mal würden wir uns diese Wegschleifen genauer anschauen, da diese auch die ein oder andere Ortsdurchfahrt vermeiden. Wir empfehlen auch unseren Lesern sich mit den Schleifen zu beschäftigen.




In Hamm lohnt sich mit Kindern besonders der Maxipark, an dem die Strecke direkt vorbeiführt. Das weiträumige Areal mit tollen großen Spielplätzen und einem Schmetterlingshaus kostet zwar Eintritt, den ist es aber auch wert. Heute fehlt uns dafür leider die Zeit, aber wir kennen den Park bereits von früheren Besuchen. Stattdessen machen wir Pause am Gradierwerk. Hier herrscht entspannende Ruhe und einige Besucher lesen ihre Bücher auf den Bänken im Schatten des Gradierwerks und genießen die erfrischende, salzige Luft. Direkt daneben liegt ein großer Kletterbaum mit bereits glatter Rinde, den unser Sohn fleißig versucht zu erklimmen.

Ab Hamm verändert sich die Strecke. Zum ersten Mal fahren wir längere Zeit direkt an der Lippe. Noch häufiger folgen wir jedoch dem Datteln-Hamm-Kanal und eine ganze Weile dürfen wir sogar auf einem schmalen Deich zwischen beiden radeln. Der Untergrund besteht oft aus Schotter, ist aber gut fahrbar. Dafür kommt jetzt dauerhaft Gegenwind auf. Wind und Untergrund machen diese lange Etappe anstrengend und zusätzlich meldet sich der Hintern von Tobi nach drei Tagen im Sattel.
Von den Kanalwegen geht es kurz hinein nach Werne und wieder hinaus. Überraschend idyllisch fahren wir anschließend entlang des Bayer-Werks in Bergkamen.
Nun erreichen wir den Römerpark Bergkamen. Es ist für uns deutlich greifbarer als Anreppen. Heute ist Start der Saison und die Menschen vor Ort machen den Besuch richtig spannend! Ein Mitarbeiter des Stadtmuseums beschreibt die enorme Größe des Lagers: Über 250 Hektar Fläche beherbergten bis zu drei Legionen mit rund 18.000 Soldaten plus Handwerkern und Versorgungstruppen und damit das größte Römerlager entlang der Lippe.



Anlässlich der Eröffnung betreuen Handwerker in historischer Kleidung kleine Stände wie eine Schmiede und eine Weberei. Dazu trägt eine Gruppe der Gladiatorenschule die entsprechende Kampfausrüstung. Ein junger Mann stellt uns voller Begeisterung seine originalgetreu rekonstruierte Ausrüstung vor und wie viel seiner persönlichen Arbeit darin steckt. Wir dürfen verschiedene Helme ausprobieren, unser Sohn mit einem Schwert auf das Schild einschlagen.
Wegen eines angekündigten Gewitters wird bereits am Nachmittag zusammengepackt. Bis Lünen ist es danach nicht mehr weit. Wir beeilen uns und machen keine Fotos mehr. Unterwegs fahren wir durch Wald und kommen an einem hölzernen Nachbau eines römischen Bootes vorbei.
Das Ringhotel am Stadtpark bietet eine Tiefgarage in der wir unsere Räder abstellen dürfen und einen großen Spa-Bereich mit Schwimmbecken und vier Saunen. – Leider sind die Saunen nicht für Kinder zugänglich und wir verzichten auf einen Saunagang.

Abends geht es zu Fuß die kurze Strecke in die Innenstadt von Lünen. Dort ist die Auswahl von Restaurants groß. Wir essen beim Inder „Namaste“. Hier probieren wir uns durch die leckeren, authentischen Gerichte aus Fernost. Das reichhaltige Mahl ist genau das Richtige nach diesem langen Tag. Vor dem Schlafengehen beobachten wir spektakulär ein Gewitter aus dem 5. Stock des Hotels und freuen uns über den trockenen Standplatz unserer Räder.
Maximale Höhe: 97 m
Minimale Höhe: 37 m
4. Tag: Lünen – Dorsten (62 km)
Das Frühstück im Ringhotel am Stadtpark ist hervorragend: Neben Brot und Brötchen gibt es auch Hefezopf und Kuchen, dazu Rührei, Lachs, eine reichhaltige Wurst- und Käseauswahl, Müslivariationen und sogar Milchreis, frisches Obst und viele Fruchtsäfte zur Auswahl.


Wir verlassen Lünen im Grünen, häufig direkt auf dem Lippe-Deich. Ein Stück begleitet uns noch der Datteln-Hamm-Kanal bevor sich schließlich unsere Wege trennen.
Längere Zeit fahren wir an einer Landstraße entlang bis wir Bork erreichen. Dort findet gerade ein Stadtfest statt. Wir schieben an einigen Flohmarktständen vorbei, bekommen beim ADFC ein kleines Windrad für die Fahrräder und sammeln direkt Ideen für zukünftige Touren.
Kurz darauf folgt ein interessantes technisches Bauwerk: Die Lippe unterquert den Dortmund-Ems-Kanal, der auf zwei großen Trägern darüber geführt wird. Uns war vorher nicht bewusst, dass sich in Datteln der Datteln-Hamm-Kanal, Dortmund-Ems-Kanal, Rhein-Herne-Kanal und Wesel-Dattel-Kanal treffen. Ein wahres Kanal-Kneul.

Danach wird es deutlich ruhiger. Kleine Wege führen durch Wald, teilweise wirkt die Strecke kaum noch wie ein offizieller Radweg. Wir passieren einen Campingplatz und sehen die inzwischen etwas breitere Lippe nur gelegentlich. Uns gefällt es hier sehr gut.



Der Grimpinger Hof mit Wild- und Freizeitpark liegt direkt an der Route. Von einem Besuch sehen wir mangels Zeit ab. Der Hof ist allerdings sehr gut besucht und wir merken ihn uns für einen späteren Besuch. Danach fahren wir längere Zeit am Wesel-Datteln-Kanal entlang. Gerade als wir an der Schleuse ankommen, verlässt ein Schiff die Flaesheimer-Schleuse.
Es wird langsam Zeit für eine ausgedehnte Pause. Da kommt der Waldspielplatz in Flaesheim gerade recht. Das Spielparadies für Kinder liegt etwa 700 Meter abseits der Route. Zahlreiche Kinder erklimmen das Klettergerüst, wippen, schaukeln und bauen an einem Tipi oder tragen Äste mit sich herum.


Wir passieren den Hullerner und den Halterner Stausee auf einem Radweg an der Bundesstraße, passieren den Kletterwald von Haltern am See und erreichen das LWL-Römermuseum. Für nur 7 Euro Eintritt erwartet uns eine interaktive Ausstellung: VR-Brillen lassen uns mitten in den Lageralltag eintauchen und auch das Beschreiben von Wachstafeln ist interessant.
Dazu kann die Kampfkleidung anprobiert und das schwere Marschgepäck eines römischen Legionärs getragen werden. Schließlich bekommen wir beim Ausprobieren des Metall-Detektors einen Eindruck von der Arbeit der Archäologen. Besonders hilfreich ist die sehr gute App mit Audio-Erklärungen. Neben den Innenräumen befindet sich auf dem Außengelände die „Römerbaustelle Aliso“ mit einer rekonstruierten Maueranlage ähnlich der in Bergkamen. Ehrlich gesagt muss man nicht beide dieser Außenanlagen besichtigen. Während des Besuchs können wir unsere Radtaschen in großen Schließfächern verstauen.




Mit Blick auf den auch heute Nachmittag angekündigten Regen fahren wir anschließend zügig weiter. Über eine alte Bahntrasse und den Lippedeich geht es Richtung Dorsten. Lipprahmsdorf lassen wir aus und bleiben einfach auf der alten, schnurgeraden Bahntrasse. Die letzten Meter heute radeln wir mehrere Kilometer durch den Wald bis Dorsten.
Heute Nacht beherbergt uns das Gasthaus Jägerhof Einhaus. Das Zimmer ist rustikal, geräumig und sauber. Im modernen Gastraum stehen frische Tulpen auf den Tischen, wir essen unseren ersten Spargel der Saison und auch Extrawünsche sind für das freundliche Personal kein Problem.

Maximale Höhe: 81 m
Minimale Höhe: 7 m
5. Tag: Dorsten – Xanten (51 km)
Nach einem deutlich einfacheren, aber völlig ausreichendem Frühstück starten wir auf die letzte Etappe unserer Tour auf den Spuren der Römer. Wir fahren zunächst auf dem Lippe-Damm und später am Wesel-Datteln-Kanal entlang.


Bald erreichen wir Schloss Gartrop mit der davor liegenden Wassermühle. Nach einem kurzen Aufenthalt folgen wir dem Kanal weiter und gelangen nach Krudenburg. Das beschauliche Dorf gefällt uns sofort: urige Häuser links und rechts, ein enges Kopfsteinpflastersträßchen und eine angenehm ruhige Atmosphäre.



Danach geht es kurze Zeit durch den Wald. Die Lippefähre „Quertreiber“ bei Wesel liegt leider nicht direkt an unserer Strecke – etwas schade, nachdem uns die Überfahrt mit der „Lupia“ so gut gefallen hat. Später sehen wir, dass es eine südliche Route zur Lippemündung mit Nutzung der Fähre gegeben hätte, die sogar noch die Stadtquerung von Wesel vermieden hätte.
Da wir die Straßenkarte auf dem Handy gerade geöffnet haben, entscheiden wir für einen kurzen Abschnitt von der offiziellen Wegführung abzuweichen. Statt durch den Weseler Vorort Wittenberg zu radeln, genießen wir stattdessen Pfade durch den etwas südlicher liegenden Wald. Das ist nicht nur schöner, sondern auch kürzer. Vorbei am alten Wasserwerk erreichen wir schließlich Wesel. Hier wird die Strecke leider deutlich unattraktiver mit viel Verkehr auf großen Straßen.
Bald queren wir den Rhein neben den vorbeifahrenden PKW. Hier mündet die beschauliche Lippe in den so viel größeren Rhein.


Hinter Wesel verändert sich die Stimmung der Strecke komplett. Wir verlassen die Stadt und folgen dem Rheinradweg in Richtung Xanten. Plötzlich fühlen wir uns wie an der Nordseeküste. Der Radweg verläuft anfangs auf dem Deich, Schafe grasen auf den Wiesen, der Blick reicht weit über die Landschaft.




Besonders schön ist das Naturschutzgebiet „Bislicher Insel“. Fotografen mit großen Teleobjektiven lichten Vögel in der Auenlandschaft ab. Es ist idyllisch und wir würden gerne länger bleiben. Doch auf uns wartet das Highlight des heutigen Tages: der LVR-Archäologische Park in Xanten. Wir sind zu Schulzeiten bereits hier gewesen und gespannt wie sehr Erinnerung und Realität übereinstimmen.
Heute ist der erste Montag des Monats und wir erhalten daher freien Eintritt. Sonst kostet ein Ticket 11 Euro. Auch hier gibt es Schließfächer für unsere Radtaschen, sodass wir im archäologischen Park ohne Gepäck unterwegs sind.
Das Gelände ist riesig und wirkt teilweise fast leer, weil viele Gebäude weit auseinanderliegen. Gleichzeitig macht genau das die Dimensionen der ehemaligen römischen Stadt sichtbar. Es gibt rekonstruierte Gebäude wie ein Badehaus und ein Gästehaus, Informationen zu Hausbau und Kleidung sowie einen Nachbau des Amphitheaters. Besonders spannend ist dort der Tunnelrundgang mit Informationen zum Leben und den Kämpfen der Gladiatoren.






Im Museum sieht man neben vielen Ausstellungsstücken die originalen Ausgrabungen der römischen Thermen unter einer großen Schutzhalle – deutlich eindrucksvoller als eine reine Rekonstruktion es je sein könnte. Ein Spielehaus mit römischen Spielen lässt das Kind im Erwachsenen hervorkommen. Doch unser Sohn findet den großen Spielplatz mitten im Römerlager mit Kletteranlage im Stil eines Wehrgangs und Trampolin noch besser und möchte nur ungern weiter.
Nach rund drei Stunden im Park steigen wir schließlich in die Regionalbahn und fahren über Duisburg zurück nach Hause.
Maximale Höhe: 48 m
Minimale Höhe: 5 m
Fazit: Lohnt sich die Römer-Lippe-Route mit Kind?
Die Römer-Lippe-Route ist ein abwechslungsreicher Fernradweg, der sich gut in fünf Etappen einteilen lässt. Der erste Tag ist durch das Höhenprofil deutlich anspruchsvoller als der Rest, danach wird es überwiegend flach und gut fahrbar.
Viele Abschnitte verlaufen ruhig durch Natur, entlang von Wasser, über Deiche oder durch kleine Orte. Allerdings ist die Lippe überraschend selten sichtbar, somit ist die Tour kein klassischer Flussradweg. Ihr solltet gerade bei der Reise mit Kind und erst recht, wenn dieses bereits selber Rad fährt, im Hinterkopf haben, dass in wenigen Abschnitten auch größere Straßen befahren werden. Gleichzeitig ist die Tour durch längere Schotterpassagen nicht für Rennräder geeignet.
Jede Etappe hatte ihre eigene Charakteristik und individuelle Highlights. Auf der ersten Etappe haben uns insbesondere das Hermannsdenkmal und die Externsteine besonders gut gefallen. Landschaftlich war Etappe 2 am schönsten und führte auf sehr idyllischen Wegen. An Tag 3 hat uns der schöne Datteln-Hamm-Kanal weite Teile unseres Wegs begleitet. Das LWL-Römermuseum an Tag 4 in Haltern am See ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Am fünften Tag erleben wir die Lippe in den Rhein mündet und staunen über die riesigen Dimensionen des LVR-Archäologischen Parks Xanten.
Besonders gefallen haben uns:
- die naturnahen Abschnitte zwischen Paderborn und Hamm,
- die vielen Spielplätze unterwegs,
- die Mischung aus Römergeschichte und Landschaft,
- und die Entwicklung der Römerstationen entlang der Route.
Wir würden die Tour als Familie jederzeit wieder fahren.
Zu dieser Reise wurden wir durch die Ruhr Tourismus GmbH eingeladen. Im Rahmen einer fünftägigen Reise haben wir im Mai 2026 die Römer-Lippe-Route erradelt. Dieser Artikel spiegelt unsere Eindrücke und unsere Meinung unabhängig wider.




