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The Narrows – Abenteuer im Flussbett mit Kind

Start und Ziel: Temple of Sinawava
Länge: 7 km | HM: 190 m | Gehzeit: 3,5 Std. | Gesamtzeit: 4 Std.
Bewertung: ★★★★★

Um uns herum ziehen Menschen ihre Schuhe fest, krempeln Hosenbeine hoch oder steigen mutig in den Fluss. Es ist Vormittag und die Sonne glitzert auf dem klaren Wasser des Virgin River. Der Moment fühlt sich an, als würde man in ein Abenteuer eintauchen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach unserem gestrigen Tag auf dem Angels Landing zieht es uns heute erneut mitten in den Zion Nationalpark. „The Narrows“, eine der bekanntesten und spektakulärsten Wanderungen Utahs, führt nicht über Felsen oder Gratwege, sondern mitten durch das Wasser. Der Canyon wird mit jedem Schritt schmaler, die Felswände ragen teils über 300 Meter senkrecht nach oben, und das Licht bricht sich golden zwischen den Sandsteinfarben.

Unsere Tour beginnt in Springdale. Wie schon am Vortag leihen wir uns bei Zion Guru E-Bikes, dieses Mal ergänzt durch wasserdichte Neoprensocken, robuste Wasserschuhe und lange Holzwanderstäbe. Das Equipment ist goldwert, wie wir bald feststellen werden. Mit den E-Bikes fahren wir rund 40 Minuten bis zum Temple of Sinawava, dem letzten Stopp der Shuttle-Route und dem Startpunkt des Riverside Walks. Schon hier zeigt sich: Wir sind nicht allein. Dutzende andere Wandernde sind unterwegs, alle mit demselben Ziel – hinein in den Fluss.

Zion Guru beschreibt sehr gut den Ablauf der Wanderung inklusive Streckenlängen, Sehenswürdigkeiten und möglichen Umkehrpunkten: https://www.zionguru.com/rentals/narrows

Der Riverside Walk selbst ist ein schöner Auftakt. Etwa zwei Kilometer lang führt der befestigte Weg entlang von Sträuchern und Gräsern, begleitet vom leisen Rauschen des Virgin River. Familien, Fotografen, Spaziergänger und Wanderer – alle laufen denselben Pfad. Ab und an sind entgegenkommende Wanderer bis zum Bauch nass. Was wird uns erwarten? Nach rund 30 Minuten endet der Weg abrupt an einer breiten, kiesigen Stelle. Hier beginnt das eigentliche Abenteuer.

Das Wasser ist flach, kaum knietief, und die meisten tasten sich vorsichtig hinein. Einige stehen am Rand, beobachten das Schauspiel, andere ziehen die Schuhe aus und waten nur im Bereich des Einstiegs. Wir betreten die Schlucht. Der Flussgrund ist steinig, das Wasser kalt und erfrischend. Unser Sohn quietscht vor Freude.

Schon nach wenigen Minuten zeigt der Virgin River, dass er es ernst meint: Eine tiefere Passage zwingt uns, Rucksack und Kraxe über dem Kopf hochzuhalten. Unser Sohn sitzt auf Papas Schultern. Um uns herum lachen Menschen, manche ziehen T-Shirts oder Hosen aus, um weitesgehend trocken durchs Wasser zu kommen. An diesem Tag steht uns das Wasser bis etwa zur Brust.

Hinter der ersten Engstelle wird der Canyon wieder ruhiger. Das Wasser reicht meist nur bis zu den Knöcheln oder Knien. An manchen Stellen plätschert es sanft, dann wieder sprudelt es lebhaft über glatte Steine.

Wir sind nie allein – aber genau das trägt zur besonderen Atmosphäre bei. Menschen aus aller Welt, jung und alt, teilen diesen Weg. Nur wenige tragen Anglerhosen. Die meisten, wie wir, sind mit Leihausrüstung unterwegs. Unsere Wasserschuhe von Zion Guru sitzen gut, geben guten Halt auf den nassen, rutschigen Steinen und machen das Waten so erstaunlich angenehm.

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Narrows Alcove, eine kleine, bogenförmige Ausbuchtung im Fels. Der Canyon wird nun immer enger, das Wasser tiefer, und kurz vor der bekannten Wall Street Section drehen wir um. Nicht weil die Lust fehlt, sondern aus Vernunft. Am Morgen hatte man uns bei der Ausrüstungsausgabe eindringlich vor dem erhöhten Flash-Flood-Risiko gewarnt. Nach den starken Regenfällen am Vortag sei es ratsam, spätestens gegen 13 Uhr wieder am Riverside Walk anzukommen.

Ein Stück Wehmut schwingt beim Umdrehen mit. Gerne wären wir noch weiter in den Canyon vorgedrungen, hinein in die schmalsten Passagen, wo kaum mehr Tageslicht den Boden erreicht. Doch auch so ist dieser Tag perfekt. Wir genießen jeden Meter zurück, machen Pausen, lassen unseren Sohn mit Steinen planschen und staunen immer wieder über die Formen, Farben und Stimmungen.

Auf dem Rückweg, wieder auf den E-Bikes, begleitet uns das Panorama der roten Felsen, die sich über dem Tal auftürmen. Der Fahrtwind trocknet die nassen Hosen, die Sonne taucht alles in warmes Licht – und wir wissen, dass diese Wanderung ein echtes Highlight war. The Narrows ist weniger eine Strecke als ein Erlebnis. Wer sich auf das kühle Wasser, die Unwägbarkeiten und den Reiz des Unbekannten einlässt, wird mit einer der eindrucksvollsten Erinnerungen belohnt, die Zion zu bieten hat.


Gesamtstrecke: 6976 m
Maximale Höhe: 1431 m
Minimale Höhe: 1349 m
Download file: The_Narrows_Zion.gpx
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