Start und Ziel: Trailhead an Hole-in-the-Rock-Road
Länge: 10,3 km | HM: 140 m | Gehzeit: 3,5 Std. | Gesamtzeit: 5 Std.
Bewertung: ★★★★★
Zwischen Zebra Canyon und Tunnel Slot Canyon reicht Tobi einer Rentnerin die Hände. Sie springt vom zwei Meter hohen Felsvorsprung und ist erleichtert es geschafft zu haben. Auf dieser Wanderung waten wir durch tiefes Wasser, erkunden die Einsamkeit der Wüste und genießen jede Sekunde dieses abenteuerlichen Tages!
Frühmorgens rumpeln wir mit unserem SUV über die Hole-in-the-Rock-Road, eine unbefestigte Piste, die sich über viele Kilometer durch die Weite des Grand Staircase–Escalante National Monument zieht. Ziel sind die beiden Slot Canyons Zebra Canyon und Tunnel Canyon – zwei Naturwunder, die sich tief in den Sandstein gefressen haben.

Die Landschaft ist karg. Nur selten kommt uns ein anderes Auto entgegen. Auf dem Parkplatz angekommen, frühstücken wir erst einmal. Picknickbänke gibt es hier keine. Zurückkehrende Wanderer erzählen uns, dass der Zebra Canyon voll Wasser stehe und sie umkehren mussten. Wir beschließen trotzdem, es zu versuchen – schließlich lieben wir das Abenteuer.
Der Weg führt zunächst durch flache Wüstenlandschaft mit hellem Sand, Kakteen und kleinen Büschen. Direkt beim Start weist ein Schild darauf hin genug Wasser mitzunehmen. Der Hinweis ist berechtigt. Es sind brütend heiß und an diesem Tag sind zwei Liter pro Person noch zu wenig, sodass wir am Ende durstig am Auto ankommen werden. Nach rund einer Stunde erreichen wir den Eingang des Zebra Canyon. Uns ist die Namensgebung nicht ganz klar. Helle und dunkle Schichten wie die Streifen eines Zebras können wir nicht ausmachen, aber die roten engen Wände faszinieren uns auch so! Das Wasser steht tatsächlich hüfthoch. Wir waten hinein, lachen, genießen das kühle Nass und unser Leben.



Bald treiben einige Pflanzenteile auf dem Wasser und es wird brackig – wir entscheiden uns umzukehren. Der Track, den wir vorab herausgesucht haben, tut dies ebenso und auch auf der OSM-Karte endet der Pfad. Obwohl es nur rund 50 Meter sind, die wir in die Schlucht vorgedrungen sind, so ist dies ein unvergessliches Erlebnis.
Entsprechend der vorab herausgesuchten Wegstrecke zweigen wir am Schluchtausgang nach links ab. Es ist kaum ein Pfad erkennbar. Wir klettern über Felsbrocken in einer weiteren Schlucht hinauf auf ein spannendes Hochplateu. Schwarze Lavakugeln liegen überall verstreut. Kleine Zeitzeugen früherer vulkanischer Aktivitäten, die wir so noch nirgendwo sonst gesehen haben und hier niemals erwartet hätten. Ein Weg ist nicht markiert. Wir sind dankbar für die OSM-Karte auf unserem Handy und die Begleitung durch ein Rentnerpaar aus Florida, das schon eine ganze Weile immer in unserer Nähe wandert.


Vom Plateau steigen wir in die nächste Schlucht hinab. Von einer Felskante springen wir knapp zwei Meter hinunter in den weichen Sand der nächsten Schlucht. Gegenseitige Hilfe ist alles: Unseren Sohn reichen wir herunter, Tobi stützt mich und den Rentner und dessen Frau wird schließlich von beiden Männern an der Hand gehalten, da sie große Angst hat. Geschafft!
Kurze Zeit später kraxeln wir am Rande eines Wasserlochs über Fels. Das Renterpaar aus Florida entscheidet sich hier dazu durch das flache Wasser zu waten. Im Nachhinein wäre das der einfachere Weg gewesen.


Außer uns fünf ist schon lange niemand mehr hier gewesen. Es gibt so gut wie keine Fußabdrücke im Sand und die vorhandenen sind nur noch schwach wahrnehmbar. Nun sind es nur noch wenige Meter bis zum Tunnel Slot Canyon, der seinen Namen wirklich verdient hat: Die Felswände neigen sich nach oben hin komplett zusammen, sodass sich ein richtiger Tunnel bildet. Ein kurzer, dunkler Gang mit glatten Wänden, in dem das Wasser – je nach Größe – bis zum Bauchnabel oder zur Brust reicht.


Am anderen Ende müssen wir leider den Inhalt unseres Rucksacks trocknen, da dieser im Wasser hing. Wir nutzen die Pause, um ein Brot zu essen und trocknen selbst in der Sonne. Unsere Schuhe haben wir über Wasser gehalten und auch unser Sohn ist auf Papas Schultern trocken geblieben.
Durch ein ausgetrocknetes Flussbett wandern wir in rund einer dreiviertel Stunde zurück zum Hinweg der Wanderung. Nach insgesamt fünf Stunden kommen wir mit dem letzten Tropfen Trinkwasser müde und erschöpft, aber glücklich am Auto an. Wir verabschieden uns von den Rentnern. Vermutlich hätten sowohl wir als auch sie den Weg zum Tunnel Slot Canyon abgebrochen, wenn wir nicht die „Sicherheit“ weiterer Menschen in der Umgebung gehabt hätten.


Diese Wanderung ist einzigartig. Nehmt einige Liter Wasser mit und überschätzt euch nicht. Ihr seid mitten in der Wüste und die Wanderung ist wirklich einsam! Gut vorbereitet ist diese Wanderung ein Once-in-the-lifetime-Erlebnis und mit der Mischung aus Abenteuer, Passagen im hüfttiefen Wasser und inmitten der imposanten Felswände einfach unglaublich!
Maximale Höhe: 1631 m
Minimale Höhe: 1554 m




