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RuhrtalRadweg

Der Ruhrtalradweg führt über 240 km von der Quelle der Ruhr in Winterberg bis hin nach Duisburg zur Mündung in den Rhein. Immer entlang der Ruhr führt dieser Fernradweg, häufig auf kleinen Wegen, durch idyllische Natur und bietet viele Gelegenheiten die Industriegeschichte der Region zu erkunden. Innerhalb von 3 Tagen kann man erleben, wie die Ruhr von einem Rinnsal, das im Sommer kaum erkennbar ist, zu einem mehrere Dutzend Meter breiten Fluss wird. Dabei wird die Landschaft immer weniger bergig, das Tal immer breiter und die Dörfer und Städte werden immer größer.

Die offizielle Homepage informiert ausführlich über aktuelle Umleitungen, mögliche Unterkünfte und vieles mehr. Die Ausschilderung entlang der Strecke ist die meiste Zeit über sehr gut, dennoch empfehlen wir die Nutzung eines Navigationsgerätes, da wir uns ansonsten an einigen Stellen verfahren hätten.

Tag 1: Winterberg – Neheim (82 km)

Die Deutsche Bahn bringt uns von Dortmund aus bis nach Winterberg. Der Zug ist extrem voll und wir haben Glück mit viel Quetschen noch ein Plätzchen für unsere beiden Fahrräder und den Radanhänger zu bekommen. Dicht gedrängt gelangen wir mit vielen anderen Radreisenden zum Startpunkt unserer Radtour im Sauerland. Ob die Züge immer so voll sind oder ob dies am 9 € – Ticket liegt?

Start des RuhrtalRadwegs
Start des RuhrtalRadwegs
am Ruhrkopf
am Ruhrkopf

Nach dem Start-Foto am Startschild des Radwegs direkt am Bahnhof erwartet uns direkt ein knackiger Anstieg. Schon bald geht der Teer in Schotterwege über und wir erreichen die Ruhrquelle. Hier am Ruhrkopf handelt es sich bei der Ruhr noch wahrlich um keinen Fluss. Nein, nicht einmal „Bach“ wäre eine angemessene Bezeichnung. Es zeigt sich lediglich ein kleines Rinnsal und es fällt schwer sich vorzustellen, dass dieser Wasserlauf Namensgeber einer ganzen Region werden wird. Die Ruhrquell lädt mit ihren Sitzgelegenheiten zur Pause ein und auch wir machen dort direkt nach wenigen Kilometern eine Mittagspause.

Gerade zu Beginn der Etappe lassen uns einige kurze Anstiege ordentlich ins Schwitzen kommen. Der Radweg versucht auf kleineren Wegen am Hang der großen Straße im Tal bestmöglich auszuweichen. Allerdings wird diese immer wieder überquert und dann geht es auf der anderen Talseite den Hang hinauf. Im Großen und Ganzen verlieren wir aber immer weiter Höhenmeter. Schließlich folgen wir der Ruhr ja auch von ihrer Quelle zur Mündung.

Auf den ersten 15-20 km unseres Weges durch das Mittelgebirge Sauerland befahren wir viele Schotterwege. Für Rennradfahrer ist die Streckenführung daher nur bedingt geeignet. Unseren Sohn im Radanhänger scheint es nicht sonderlich zu stören, dass er gut durchgeschüttelt wird. Er schläft. Abseits von großen Straßen befinden wir uns mal nahe und mal etwas abseits der Ruhr.

Nach einer Eisdielen-Pause in Olsberg radeln wir weiter. Das nahegelegene Besucherbergwerk Ramsbeck könnte besichtigt werden. Wir haben hierfür keine Zeit, denn wir benötigen für die 80 km Strecke mit Kind und Radanhänger länger als erwartet.

Zwischen Meschede mit dem Hennesee und dem Dörfchen Freienohl radeln wir entlang einer großen Straße und stellen uns über längeren Zeitraum die Frage „Sind wir wohl noch richtig? Oder haben wir einen Abzweig verpasst?“ Nein, haben wir nicht. Wir erreichen die nächsten Wegweiser. Bald führt der Ruhrtal Radweg entlang des Segelflugplatzes Oeventrup und verläuft sogar einige Meter so nah an diesem, dass Netze über unseren Köpfen gespannt sind. Nun gelangen wir nach Arnsberg. Über Arnsberg befindet sich der Möhnesee. Wer noch einige Höhenmeter strampeln mag, der kann auf dem dortigen Campingplatz sein Zelt aufschlagen.

Die Dämmerung hat bereits eingesetzt und wir eilen weiter. Arnsberg ist wunderschön an der Ruhr gelegen, die in einer Schleife die Stadt beinahe umschließt. Wenig später erreichen wir nach 82 Kilometern im Dunklen unsere heutige Unterkunft: die Waldsauna in Neheim. Eine familiäre Pension mit sauberen Zimmern, leckerem Frühstück und vor allem sehr herzlichen Gastgebern.

Tag 2: Neheim – Witten (70 km)

Während wir beim Frühstück noch in den Regen hinaussehen, bessert sich das Wetter und wir können im Trockenen unsere Reise fortsetzen. Die heutige Etappe ist nur 70 km lang und führt von Neheim nach Witten.

Morgens radeln wir gemütlich direkt an der Ruhr entlang. Die nahegelegene Autobahn stört uns nicht. Zwischen Wickede und Frondenberg wird das meist ländliche Erscheinungsbild immer wieder durch städtische Elemente unterbrochen. So queren wir unter anderem eine große Straße, nachdem wir eine Brücke aus Beton, die sich spiralförmig nach oben windet, erklommen haben.

Immer weiter gelangen wir ins Ruhrgebiet. Es ist erstaunlich, wie wenig man auf dieser Tour von den vielen großen Städten wahrnimmt. Vorbei an Hagen radeln wir ländlich durch Felder entlang kleiner Kanäle und der Ruhr. Lediglich einmal ist hier die Ausschilderung nicht eindeutig. Zwei junge Männer, die wir bereits an der Quelle und seitdem immer wieder getroffen haben, irrten ohne GPS ein wenig herum und kamen schließlich auch wieder auf den richtigen Weg.

Gemütliche Wellenbänke am Hengsteysee laden zu einer ausgiebigen Rast ein. Schon bald darauf stoppen wir erneut und lassen es uns auf „Herdeckes Blauer Meile“, einem Wasserfest der ansässigen Vereine (DLRG, Rudern, SUP, etc.), bei Bratwurst und Crêpe gut gehen.

Nun schwingen wir uns aber wirklich wieder auf die Räder. Nachdem wir am Hengsteysee über eine mit Schienen besetzte Holzbrücke schieben müssen, gelangen wir am Ruhrtalviadukt vorbei zum Harkortsee. Neben uns ragt Fels auf und begrenzt den schmalen Weg. Wer mag, könnte hier für die Nacht einen Campingplatz aufsuchen. Jetzt ist das Ziel Witten fast schon erreicht.

In Witten haben wir bei Anna, die wir über Warmshowers kennenlernen durften, einen tollen Abend verlebt. Sie hat uns drei nicht nur bei sich aufgenommen, sondern uns auch noch zu einem leckeren Abendessen eingeladen. Abgerundet wurde der Abend durch den Austausch von Reiseerlebnissen.

Tag 3: Witten – Duisburg (92 km)

Witten liegt am Berg, sodass wir morgen entspannt zur Ruhr hinabrollen. Heute steht eine besondere Querung der Ruhr an: Eine Rad- und Fußgängerfähre, die auf Spendenbasis betrieben wird, bringt uns auf die andere Seite. Am Anleger setzten wir uns erst einmal in die Sonne und lassen uns unser Frühstück vom Bäcker schmecken und beobachten das Treiben. Lange warten muss niemand, denn die Fähre setzt immer und immer wieder ohne nennenswerte Pausen über. Wir sind erstaunt, wie viele Radfahrer hier bereits zu früher Stunde aufschlagen.

Fähre Witten über die Ruhr
Fähre Witten

Solltet ihr eine Besichtigung der Burg Hardenstein planen, so müsst ihr dies vor der Fährfahrt machen. Nach der Flussüberquerung, hier ist die Ruhr schon sehr viel breiter, gelangen wir an den Kemnadersee. Eine wunderbare grüne Oase in der Stadt, die von den Einwohnern an diesem sonnigen Sonntag rege ausgenutzt wird. Die Verkehrsführung ist äußerst klug geplant: Es gibt drei Spuren: Fußgänger und Radfahrer sowie ein eigener Weg nur für Inlineskater!

Bei Hattingen passieren wir die Ruhrkaskaden. Der in die Breite gezogene Wasserfall lässt Urlaubsfeeling aufkommen. Weiter den Treidelpfaden folgend, müssen unterwegs wenige Gatter geöffnet und geschlossen werden, damit Vieh seine flussnahe Weide nicht verlassen kann.

Ruhrkaskaden bei Hattingen
Ruhrkaskaden bei Hattingen

Auf dem Weg zum Baldeneysee passieren wir eine Kajakstrecke. Über das Wasser gespannte Leinen können genutzt werden, um Slalom-Hindernisse im Wildwasser zu platzieren. Gerne hätte ich eine Trainingseinheit mit angesehen, doch zurzeit ist kein Sportler auf dem Wasser. Entlang des Baldeneysee ist es noch voller als zuvor auf den Straßen. Teilweise ist das Fahren mit Radanhänger dadurch schon anstrengend. Vorbei an Imbissbuden und Gaststätten erreichen wir Mühlheim.

auf dem RuhrtalRadweg zwischen Witten und Duisburg

Eine langgezogene Holzbrücke führt uns in einen Stadtpark. Von Mühlheim selbst bekommen wir mal wieder fast gar nichts mit. Schon bald erreichen wir wieder die Ruhr und radeln über die Leinpfade durch die Flussauen. Bei Interesse kann das Aquarius Wassermuseum in einem alten Wasserturm direkt am Weg besichtigt werden.

In Duisburg kommen wir zum ersten Mal auch gefühlt in der Stadt an. Dennoch ist die Wegführung viel angenehmer als erwartet. Das offizielle Ende des RuhrtalRadwegs befindet sich am Innenhafen. Dieses Ende fühlt sich für uns nicht richtig an und wir verlängern die Strecke um rund fünf Kilometer: Unser Ziel ist die Ruhrmündung in den Rhein, die durch eine orangene Stele, die Rheinorange, markiert wird.

Nach einer kleinen Stärkung und dem obligatorischen Ziel-Foto machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof und treten den Heimweg an.

Diese Tour stellte für uns die erste Radwanderung mit unserem Sohn dar. Natürlich muss dies nicht auf jedes Kind zutreffen, doch bei uns hat es wunderbar funktioniert den Radweg mit Fahrradanhänger und 3 Monate altem Baby zu fahren.

Der RuhrtalRadweg ist ein empfehlenswerter Fernradweg. Die meiste Zeit führen gut ausgeschilderte Teerstraßen, ab und zu jedoch auch holprige Schotterwege, von der Quelle bis zur Mündung entlang der Ruhr. Trotz einiger knackiger Anstiege, insbesondere am ersten Tag, ist die abwechslungsreiche Strecke in ihrer Gesamtheit abschüssig.

2 Kommentare

  1. Schöner Bericht 🙂 Das klingt nach einer guten Reise. Ich überlege auch, ob ich den Weg demnächst fahre, und bin immer überrascht, wie unterschiedlich alle die Anstiege vom ersten Tag bewerten. Aber selbst fahren und selbst probieren sind hier wahrscheinlich wie so oft das Beste.
    Respekt auch, dass ihr das mit dem schweren Anhänger so schafft.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Die Intensität der Anstiege hängt natürlich immer von Fitness und Gepäck ab. Mit einem Anhänger mit Gepäck und Kind zieht man schnell mal 20 KG extra den Berg hoch. Bei dir kann sich das ganz anders anfühlen.
      VG Tobias

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