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Mindelheimer Klettersteig

Fünf Kilometer sanftes Klettern bei gigantischen Aussichten

Start: Mittelberg | Ziel: Mittelberg
Länge: 15,3 km | HM: 1730 m | Gesamtzeit: 8,5 Std.
Bewertung: ★★★★★

Dunkle Wolken hängen über dem Kleinwalsertal. Mehrere Klettersteig-Wanderer sitzen auf der Terrasse der Fiderepasshütte und warten darauf, dass sich das Wetter bessert. Auch wir möchten den Mindelheimer Klettersteig machen und doch nicht von Gewitter und Regen in der Wand überrascht werden.

Der Aufstieg zum Mindelheimer Klettersteig ist auf verschiedenen Wegen möglich. Wir entschieden uns dafür in Mittelberg zu starten und somit keine Bergbahn zur Hilfe zu nehmen. Das Parken beim Bergheim Moser kostet 4€ pro Tag. Etwas weiter unten befindet sich noch ein zweiter Parkplatz für 6€ pro Tag, dessen Automat jedoch keine Scheine annimmt. Nur deswegen sind wir weitergefahren und haben den hinteren Parkplatz entdeckt. Der Weg zwischen beiden Parkplätzen ist geschottert und sieht eher nicht nach einer öffentlichen Straße aus.

Der Aufstieg führt über die Fluchtalpe. Bis zu dieser bewirtschafteten Hütte führt ein ca. 2km langer, sanft ansteigender, geschotterter Fahrweg. Direkt hinter der Fluchtalpe wechseln wir auf einen schmalen und steilen Pfad, der zuerst durch wurzeligen Fichtenwald und später auf steinigen Wegen durch mit rosarot blühenden Alpenrosen bewachsene Wiesen führt. Schnell sammeln wir rund 1000 Höhenmeter. Die Fiderepasshütte erscheint auf dem Bergrücken und bietet die Möglichkeit zur Verpflegung oder wie in unserem Fall zum Abwarten. Sollte das Wetter nicht besser werden, würden wir als Alternative den etwas tiefer verlaufenden Krumbacher Höhenweg nehmen.

Schneefeld mit Blick auf die Fiderepasshütte auf dem Weg zum Einstieg des Mindelheimer Klettersteigs
Schneefeld mit Blick auf die Fiderepasshütte

Wir hatten Glück! Die dunklen Wolken zogen weiter und sogar die Sonne kam heraus. Wir nahmen den letzten Teil des Aufstieges in Angriff. Durch ein Geröllfeld führt der Weg hoch zur Fiderescharte. Selbst im Juli gab es noch ein zu querendes Schneefeld. Kurz hinter der Scharte zweigt der Klettersteig vom Weg ab und ist nur mit einem kleinen rot-weißen Holzpfahl markiert.

Kletterhilfen am Mindelheimer Klettersteig
Kletterhilfen am Mindelheimer Klettersteig

Der Mindelheimer Klettersteig überquert drei Gipfel: Höchster Schafalpenkopf (2321m), Mittlerer Schafalpenkopf (2301m) und Südlicher Schafalpenkopf (2273m). Als benötigte Kletterzeit sind fünf Stunden angegeben. Wir benötigten trotz einer Essenspause und mehrerer Foto-Stopps nur etwa 3,5 Stunden. In der Schwierigkeit ist der Mindelheimer Klettersteig mit B/C angegeben. Wir würden diesen Klettersteig im Vergleich mit dem Ostrachtaler- und dem Salewa-Klettersteig jedoch als einfacher einstufen. Allerdings sollte man die Gefahren des Hochgebirges beachten. Es gibt keine Notausstiege aus dem Klettersteig, sodass gutes Wetter eine wichtige Voraussetzung ist!

Die weniger anspruchsvolle Schwierigkeit basiert darauf, dass an Schlüsselstellen viel mit Metalltritten, Leitern und Bügeln gearbeitet wird. Das hier nicht notwendige Klettern direkt am Fels kostet ansonsten viel mehr Kraft und Technik. Die Herausforderung gilt bei diesem Steig mehr der Ausdauer, da der Klettersteig rund 5 km lang ist. Jedoch ist anzumerken, dass sich Klettersteigpassagen immer wieder mit Teilen einer ungesicherten Gratwanderung abwechseln. Häufig haben wir allerdings nicht verstanden nach welchen Gesichtspunkten Sicherungen angebracht wurden: Ausgesetzte Stellen waren teilweise nicht abgesichert, während es an einigen Stellen Seile gab, die aus unserer Sicht eher überflüssig sind.

Eine Begehung des Mindelheimer Klettersteigs ist in beide Richtungen möglich. Durch die vielen Wanderpassagen zwischen den Kletterelementen ist es unproblematisch entgegenkommende Kletterer vorbei zu lassen oder langsamere zu überholen. Im Nachhinein empfinden wir keine Gehrichtung als „besser“. Durch die drei Gipfel klettert man in beide Richtungen mal hoch und mal runter. Teilweise hatten wir vorher gelesen, dass der Mindelheimer beliebt sei und überlaufen sein könnte. Wir waren unter der Woche da und dazu kam, dass das Wetter anfangs wahrlich nicht perfekt war. So haben wir immer mal Gruppen vor und hinter uns gesehen und daher nicht das Gefühl allein zu sein. Gleichzeitig war es so leer, dass die anderen Kletterer überhaupt nicht gestört haben. Wie es hier an anderen Tagen aussieht, können wir leider nicht beurteilen.

Was wir aber beurteilen können: Der Klettersteig bietet fantastische Ausblicke in die Bergwelt der Allgäuer Hochalpen und des Kleinwalsertals. Rund herum erheben sich majestätische Gipfel. In alle Richtungen wird grauer Fels erblickt. Und wir dürfen mitten in dieser eindrucksvollen Natur klettern. Wir können davon gar nicht genug bekommen und wurden von jedem Blickwinkel aufs Neue überwältigt.

Blick in die Allgäuer Bergwelt vom Mindelheimer Klettersteig
Blick in die Allgäuer Bergwelt
Abstieg Mindelheimer Klettersteig
Abstieg Mindelheimer Klettersteig

Kurz nach Ende des Klettersteigs erklimmen wir den Gipfel „Kemptner Kopf“ (2193m) und hatten beim Abstieg das Glück drei Steinböcke sehen zu dürfen. Sie grasten direkt neben dem Weg und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Nun besteht die Wahl weiter zur Mindelheimer Hütte zu wandern oder ins Tal abzusteigen. Wir ließen die Mindelheimer Hütte aus, da sich bereits wieder dunkle Wolken in unsere Richtung bewegten und wechselten direkt in den spektakulären Abstieg, der in eine steile Felsflanke gebaut wurde und zu Beginn mit vielen Stahlseilen gesichert ist. In diesem Abstieg werden auf kurzer Strecke ein Großteil der Höhenmeter wieder vernichtet.

Schließlich wird der kleine Wildenbach erreicht. Nach Durchquerung des Baches durch eine Furt, können wir euch auf jeden Fall ans Herz legen, den kleinen, am Anfang kaum erkennbaren Pfad nach rechts am Bach entlang zu nehmen. Dieser führt durch ein kleines Tal mit bunten Wildblumen. Dabei hört man ständig das Plätschern des Baches und wir hatten das große Glück einige Murmeltiere zu sehen. Nach etwa 700m führt ein Abzweig nach links wieder auf den Hauptweg. Die nächsten Meter gehen erneut relativ steil bergab, weiter durchs Wildental. Kurz vor der Fluchtalpe, die wir bereits vom Aufstieg kennen, fällt ein schöner Wasserfall neben dem Weg in die Tiefe. Der weitere Weg entspricht dem des Aufstiegs.

Wildental
Wildental

Der Mindelheimer Klettersteig hat uns insgesamt sehr gut gefallen. Die Kletterpassagen waren jedoch nicht so anspruchsvoll wie auf ähnlich schwierig angegebenen Klettersteigen in der Umgebung, sodass wir hier etwas mehr erwartet hatten. Gleichzeitig ist die Aussicht durchgängig unschlagbar und führte zu einem rundum gelungenen Tag für uns.

Gesamtstrecke: 15335 m
Gesamtanstieg: 1732 m
Gesamtabstieg: -1709 m
Download file: Mindelheimer_Klettersteig.gpx

Weitere Eindrücke:

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