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China: Flusskreuzfahrt auf dem Yangtze: Chongqing nach Yichang

Europäische und Amerikanische Touristen en masse. Ein seltener Anblick mitten in China und doch begleitet uns dieses Bild über einige Tage während wir auf dem Yangtze reisen. In unserer Vorstellung gehört eine Kreuzfahrt auf dem Yangtze zu einer China-Rundreise einfach dazu.

Wir haben bereits von zu Hause aus über das Internet Touren verglichen und eine solche Reise gebucht. Man soll Kreuzfahrten auch kurzfristig vor Ort buchen können, doch das war uns bei unserem straffen Zeitplan einfach zu riskant. Sowohl flussabwärts als auch flussaufwärts werden Fahrten auf dem Yangtze angeboten. Dazu gibt es Schiffe, die hauptsächlich ausländische Touristen transportieren und andere, die eher chinesische Passagiere haben. Bei der Auswahl der Tour sollte darauf geachtet werden, welche Stopps gemacht werden und zu welchen Tageszeiten diese stattfinden. Wir entschieden uns nach Preis und Leistung für das Schiff „Victoria Jenna“ des Anbieters Yangtze River Cruises.

Von Xi‘an gelangen wir mit dem Zug in rund fünf Stunden nach Chongqing, dem Startpunkt der Kreuzfahrt. Vom Bahnhof Chongqing West gelangt man nur mit dem Taxi zum Hafen, da es keinen brauchbaren öffentlichen Nahverkehr gibt. Wir irren durch den Bahnhof und wissen nicht, wo wir ein Taxi finden können. Ein junger Chinese bietet freundlich seine Hilfe an und führt uns zu einem Taxistand. Hier herrscht reger Betrieb. Die Taxis stehen in einer Tiefgarage in einer langen Schlange, man steigt ein und fährt los. Handeln und sich nach dem Preis für ein bestimmtes Taxi entscheiden ist keine Option. Die Fahrt kostet uns 50 Yuan (ca. 6 €) und dauert rund 45 Minuten.

Im Zentrum von Chongqing befinden sich das Drei-Schluchten-Museum, eine Seilbahn über den Yangtze und die Huguang-Gildenhalle. Wir haben nichts davon gesehen, da das Museum montags Ruhetag hat und der Dauerregen, den wir gerade haben, nicht zu Outdoor-Aktivitäten einlädt. Chongqing bietet aber auch riesige Einkaufszentren, sodass wir hier herumbummeln und zu Mittag essen können. Bevor wir an Bord gehen, decken wir uns mit frittierten Kartoffelfladen für das Abendessen, Snacks und Getränken ein, da diese auf dem Schiff sehr teuer sein sollen. Diese Entscheidung wird sich als goldrichtig herausstellen.

bunt erleuchtetes Chongqing
alles ist bunt erleuchtet

Um 18:30 Uhr beginnt eigentlich das Boarding, wir sind wegen des ungemütlichen Wetters schon früher da und haben Glück, dass wir eher auf unsere Kabine gehen können. Diese hat alles, was wir benötigen und es ist sauber. Ein kleines Bad, zwei Betten, Tisch und sogar einen Balkon. Es wird dunkel und draußen ziehen zwei bunt erleuchtete Kreuzfahrtschiffe an uns vorbei. Bevor auch wir ablegen, gibt es eine kurze Sicherheitseinweisung. Viele Passagiere, die es so wohl von anderen Kreuzfahrten kennen, sitzen (völlig unnötig) mit ihren angezogenen Rettungswesten im Saal und hören sich Begrüßung und Erklärungen an. Wir können uns bei dem Anblick das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen.

Am nächsten Tag halten wir an der „Jade Emperor Scenic Area“ in Fengdu. Wir werden in verschiedene Gruppen eingeteilt, die eigene Guides haben, und dann mit Bussen zum Eingang gefahren. Mit einem Fahrstuhl werden weitere Höhenmeter überwunden. Nun folgen wir dem Weg bergab, sehen uns verschiedene Tempel des Taoismus an und bekommen einige Hintergrundinfos. Besucher des Tempels dürfen immer nur auf der rechten oder linken Seite durch die Tore schreiten, aber niemals direkt in der Mitte, denn dieser Weg ist den Geistern vorbehalten. In den unzähligen Tempeln werden verschiedenste Gottheiten verehrt. In einem Raum stehen bunt bemalte Skulpturen aufgereiht nebeneinander. Alle Gottheiten dienen anderen „Aufgaben“, welche dies sind, erläutern kleine Schilder.

Zurück auf dem Schiff gibt es Mittagessen vom Buffet. Den Nachmittag erkunden wir etwas das Schiff und machen es uns schließlich in der Kabine gemütlich, da es draußen schwül und ziemlich grau ist. Abends gibt es wieder Essen vom Buffet (Ja, hier gibt es ganz schön oft viel zu essen!). Zu jeder Mahlzeit sitzen wir mit einer amerikanischen und einer indischen Familie an einem Tisch. Diese sind im Gegensatz zu den meisten anderen Passagieren ebenfalls ohne Reisegruppe unterwegs. Die Mahlzeiten an Bord sind okay. Wir haben an Land besser, aber auch bereits schlechter gegessen. Die Auswahl an Speisen ist immer sowohl westlich als auch chinesisch, sodass wirklich jeder etwas finden sollte.

Durchfahrt der Schlucht
Yangtze-Kreuzfahrt
kleine Boote im Goddess Stream
kleine Boote im Goddess Stream

Am nächsten Tag durchqueren wir zwei eindrucksvolle Schluchten: Qutang Gorge und Wu Gorge. Auf dem Deck tummeln sich jede Menge Passagiere, die an der Reling stehen oder ihre Zeit auf dem Liegestuhl genießen. Neben uns erheben sich steil die Felswände. Nach dem Mittagessen gelangen wir zum Goddess Stream. Hier steigen wir in kleine Boote um, die uns in eine schmalere Schlucht bringen. Die Victoria Jenna hätte hier auch nicht hinein gepasst. Eine einheimische junge Frau berichtet während der Fahrt von den Umsiedlungen im Zuge des Baus des Drei-Schluchten-Staudamms. Ganze Dörfer und Städte wurden einfach überschwemmt und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Eine grausame Vorstellung für mich. Am Ziel wird eine volkstümliche Tanzaufführung für uns gezeigt. Wir kommen uns etwas fehl am Platz vor. Es ist einfach zu künstlich und touristisch für unseren Geschmack. Auf dem Rückweg zurück zur Victoria Jenna genießen wir noch einmal die schmale Schlucht. Die Landschaft hier ist eindrucksvoll schön, doch der kommende Zhangjiajie wird uns noch deutlich mehr zu reizen wissen.

Der letzte Morgen wird für einen Landausflug zum Drei-Schluchten-Staudamm genutzt. Am Maoping Port verlassen alle Reisenden die Victoria Jenna. Normalerweise wird man von hier in Bussen zum Staudamm und von dort später zum Three Gorges Center Cruise Terminal gebracht, wobei empfohlen wird, dass Anschlusszüge erst ab 14:30 Uhr geplant werden sollten. Nun hätten wir erst gegen Mitternacht einen Zug zu unserem nächsten Ziel nehmen können. So lange am Bahnhof sitzen und warten, denn Yichang scheint nichts bieten zu können, wollen wir nicht besonders gerne. Es erscheint uns attraktiver den Drei-Schluchten-Damm aus nächster Nähe wegzulassen. Wir nehmen am Maoping Port direkt einen Bus zum Bahnhof Yichang East und sehen den Drei-Schluchten-Damm nur im Vorbeifahren aus dem Bus heraus. Für uns passt es so und wir sind froh, eine Nacht im Hostel statt im Zug und am Bahnhof verbringen zu dürfen.

Die Flusskreuzfahrt auf dem Yangtze ist ein schöner Bestandteil unserer Reise geworden. Obwohl es für uns ungewohnt ist Teil einer großen Reisegruppe zu sein und beim Besichtigen von Attraktionen keine eigenen Entscheidungen treffen zu können, so hätten wir es sicher bereut, diesen Bestandteil wegfallen zu lassen.

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