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China: Xian

Xian. Ich bin aufgeregt. Hier erwarten uns die berühmte Terrakottaarmee und das Gebirge Hua Shan mit einem der gefährlichsten Klettersteige der Welt. Uns beeindrucken die Bilder von schmalen Holzplanken am Fels bei grandioser Aussicht und wir sind gespannt, ob wir diesen Weg gehen oder als zu gefährlich einstufen werden.

Doch erst einmal müssen wir in Xi‘an ankommen. Wir reservierten im Hotel „Holiday Inn Express Xi‘an North“, da dieses zentral zum Bahnhof gelegen ist, den wir die nächsten Tage häufiger benötigen. Obwohl wir natürlich die Adresse haben, müssen wir zwischen den vielen bunten Hochhäusern und im abendlichen Getümmel der Menschen suchen bis wir das Hotel finden, denn auch in den OpenStreetMap-Karten war es noch nicht eingezeichnet. Diesen Eintrag haben wir nachgeholt.

Die Terrakottaarmee als UNESCO Weltkulturerbe und bekannteste Sehenswürdigkeit von Xi’an möchten wir unbedingt sehen. Der Standort der Terrakotta Armee ist ca. 40 km von der Stadt entfernt. Wir fahren mit dem Bus Linie 5 (306) vom Busbahnhof Xian aus direkt dorthin. Es gibt verschiedene offizielle und inoffizielle Buslinien, wobei diese die schnellste sein soll. Wir bezahlen 7 RMB und sind nach rund einer Stunde am Ziel.

Blick in eine Ausgrabungshalle
Blick in eine Ausgrabungshalle
Terrakotta-Pferd während Restauration in Xian
Terrakotta-Pferd während Restauration

Die Ausstellung war ganz anders als ich sie mir vorgestellt habe und wirklich sehr eindrucksvoll. Es gibt drei Ausstellungshallen. Die Hallen sind riesig, mehrere Fußballfelder groß, und überdachen die Ausgrabungsgruben. Die Terrakotta-Krieger und -Pferde können in jedem Restaurationszustand bewundert werden: Einmal liegen die Einzelteile gerade freigelegt, aber in Scherben und völlig durcheinander am Boden. Andernorts zeigt sich das aus den Medien bekannte Bild langer Reihen völlig restaurierter Krieger. Jedes Bild für sich ist interessant und eindrucksvoll anzusehen.

ausgegrabene Scherben in Xian
ausgegrabene Scherben

Auf dem Weg von den Ausgrabungshallen zurück zum Parkplatz passieren wir jede Menge Souvenir- und Essensstände. Nach einigem Verhandeln erwerben wir schließlich einige Ton- und Metallfiguren für unsere Familien und Freunde in der Heimat. Doch noch ist unser Besuch nicht zu Ende. Am Parkplatz fährt ein Bus, der im Ticketpreis inklusive ist, zum eigentlichen Grab des Qin Shihuangdi. Hier ist es menschenleer. Zugegebenermaßen ist außer einem Erdwall und einigen kleineren Ausgrabungen auch nicht viel zu sehen von dem Mausoleum, doch es ist eine schöne Abwechslung und wir würden bei einem erneuten Besuch diesen Abstecher wiederholen.

Link zu einem Lageplan des Geländes: https://www.travelchinaguide.com/images/map/shaanxi/terracotta-army-tour.jpg

Terrakotta-Armee
Terrakotta-Armee

Die Terrakottaarmee ist ein bleibendes Erlebnis und ein Must-See für eine China-Reise. Übrigens haben wir hier die ersten westlichen Reisegruppen unserer Reise gesehen. Individualreisende wie uns trafen wir noch nicht. Unsere Art zu reisen scheint wirklich selten zu sein in China. Dennoch können wir diese Form des Reisens nur empfehlen!

Start: Westgipfel Hua Shan | Ziel: Yuquanyuan
Länge: 11,5 km | HM: 852 m | Gehzeit: 5 Std. | Gesamtzeit: 7 Std.
Bewertung: ★★★★★

Nachdem wir abends todmüde ins Bett gefallen sind, geht es nun in der Früh auf zum nächsten Highlight: dem Hua Shan Gebirge! Direkt morgens um 8 Uhr fahren wir mit dem Schnellzug vom Bahnhof Xian North zum Hua Shan. Vor dem Bahnhof fahren kostenfreie Shuttle-Busse zum Visitor-Center des Hua Shan ab. Hier kaufen wir Tickets für rund 43 € (20 € Eintritt, 18 € Seilbahn und 5 € Bus; Studentenpreis 31 €). Es folgt eine Art interner Busbahnhof mit Wartebereichen für die Busse zu den Seilbahnen auf den Nord- oder Westgipfel. Wir haben bereits im Hotel entschieden, dass wir unsere Tour auf dem Westgipfel beginnen, von dort gegen den Uhrzeigersinn zum Nordgipfel wandern und hier ins Tal absteigen möchten. So können wir alles sehen außer der Strecke zwischen West- und Zentralgipfel und müssen uns dennoch nicht so sehr beeilen, dass wir die Natur nicht genießen können.

Anstehflächen für die Seilbahn
heute zum Glück ohne Anstehen für die Seilbahn

Ein Bus bringt uns auf serpentinenreicher Straße zur Talstation der West-Seilbahn. Wir verlassen den Bus und stehen auf einem großen Platz vor einem riesigen Torbogen. Eine breite Treppe führt schnurgerade nach oben zum Einstieg der Seilbahn. Neben der Treppe reihen sich viele Hundertmeter abgetrennte Anstellflächen wie im Freizeitpark aneinander. Wer die Treppe nicht empor steigen möchte, der kann in einer Sommerrodelbahn bergauf gefahren werden. Wir sind die einzigen Verrückten, die die Treppe zweimal erklimmen, um einmal mit der Sommerrodelbahn wieder hinunterfahren zu können.

Link zu einer Karte des Wandergebietes auf dem Hua Shan: https://www.chinadiscovery.com/shaanxi-tours/mount-hua-tours/useful-maps.html

Die Seilbahnfahrt dauert rund 20 Minuten und ist sehr eindrucksvoll. Nachdem wir den ersten Berg erfahren haben, gelangen wir in Richtung Tal nur um dann weiter auf den nächst höheren Berg zu schweben. Die Fahrt endet IM Berg. Der Westgipfel ist nur wenige Meter vom Ausstieg entfernt. Rote Bänder und Schlösser zieren die Sicherungen am Wegesrand. Dieses Bild aus einem Meer an roten Bändern wird uns heute ständig begleiten.

rote Bänder auf dem Hua Shan
rote Bänder auf dem Hua Shan

Hier oben verläuft der Weg weitgehend eben auf dem blanken Fels. Um von Gipfel zu Gipfel zu gelangen, sind jedoch einige Höhenmeter zu bestreiten, die ausschließlich auf Treppen überwunden werden. Ein ungewohntes Wandern. Die Aussicht, die sich uns immer wieder auf die umliegenden Berge bietet, ist unglaublich schön. Wir wandern vom Westgipfel (2082 m) zum Südgipfel (2154 m), wo der „Sky Plank Walk“, der als gefährlichster Klettersteig der Welt bekannt ist, beginnt. Wir sind voller Vorfreude und gespannt, was uns erwartet. Und dann: geschlossen. So schnell ist die Vorfreude zunichte gemacht und weicht Enttäuschung.

Klettersteig zum Chess Pavillon
Klettersteig zum Chess Pavillon

Wir wandern weiter. Immerhin einen kleinen Klettersteig zum Chess Pavillon können wir machen. Die Karabiner und Seile, die wir leihen, sehen nicht besonders vertrauenerweckend aus, doch die Kletterstelle ist nur kurz und wäre auch ohne Sicherung noch okay. In der Warteschlange beim Anstehen lernen wir die ersten deutschen Individualreisenden kennen. Es handelt sich um Studenten aus Shanghai. Sie haben bislang ähnliche Erfahrungen wie wir gemacht. Dann klettern auch wir wie die Ameisen hinunter zum Chess Pavillon. Es herrscht Einbahnstraßenregelungen. Mal geht es nur runter, dann wieder nur hoch.

steiler Abstieg mit Löchern auf der rechten Seite aus vergangenen Zeiten
steiler Abstieg mit Löchern auf der rechten Seite aus vergangenen Zeiten

Die weitere Wanderroute bringt uns auf den Ostgipfel (2096m), den Zentralgipfel (2042m) und schließlich zum Nordgipfel (1615m), von dem wir nach Yuquanyuan absteigen. Der Abstieg ist super steil und wir sind froh, hier hinunter und nicht herauf zu wandern. Heute führt der Weg hinunter über Treppen, doch rechts des Weges sieht man in regelmäßigen Abständen in den Fels geschlagene kleine Löcher. Wir vermuten, dass man früher diese als Tritthilfen nehmen musste. Mit den Wanderern der vergangen Zeiten würden wir nicht tauschen mögen. Auch heute ist der Abstieg teilweise sehr schmal, sodass Einbahnstraßenwege angelegt worden sind. Einmal gehen wir durch eine nur schulterbreite Schlucht, die von beiden Seiten mit meterhohen Felswänden gesäumt ist.

Abstieg vom Hua Shan
Abstieg vom Hua Shan

Nach rund einem Drittel des Weges gelangen wir ins Tal. Die Strecke verläuft entlang des Flusses und immer wieder stehen Verkäufer am Wegesrand, die Getränke und Snacks anbieten. Schließlich führt uns der Abstieg nach Yuquanyuan, wo der Weg im Innenhof eines Tempels endet. Eine große goldene Buddha-Statue in liegender Position verabschiedet uns. Wir verlassen das Gelände und folgen der Straße hinunter. Etwas versteckt hinter Schranken sehen wir auf der rechten Seite Busse. Ob diese zurück zum Bahnhof führen? Man kommt von der Straße aus nicht zum Stellplatz der Busse, sodass wir erst einmal weiter irren. Andere Busse oder Haltestellen gibt es nicht. Schließlich finden wir heraus, dass man einen Laden betreten und durch eine Hintertür verlassen muss, um auf den Busparkplatz zu kommen. Wir erwerben ein Ticket und gelangen tatsächlich zurück zum Bahnhof, von wo aus wir um 19 Uhr abfahren nach Xian und ins Hotel.

Gesamtstrecke: 11524 m
Gesamtanstieg: 852 m
Gesamtabstieg: -2385 m
Download file: Hua_Shan.gpx
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