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China: Huang Shan

Im Mehrbettzimmer werden wir mitten in der Nacht geweckt. Die anderen stehen auf und unterhalten sich. Was ist nur los, wo wollen alle hin? Der Sonnenaufgang auf dem Huang Shan ist das allgemeine Ziel. Wir befinden uns auf einer dreitägigen Wanderung mit Übernachtungen auf dem Berg in einem der bekanntesten Nationalparks Chinas.

Angekommen am Bahnhof Huangshan Bei wenden wir uns nach rechts und suchen eine Möglichkeit, Gepäck für drei Tage lagern zu können. Zuerst fragen wir in der Touristeninformation, welche uns jedoch nur mitteilt, dass es hier keine Gepäckaufbewahrung gibt. Wir gehen weiter und gelangen an einen halbkreisförmigen Tresen. Hier haben wir Glück! Wir packen unsere Rucksäcke um, sodass wir einen Großteil unseres Gepäcks im Tal lassen und mit wenigen Kilos auf dem Rücken wandern gehen können. Nachdem wir uns mit Dumplings in Brühe gestärkt haben, nehmen wir den Bus nach Tangkou.

Wartebereich Busse in Tangkou zu den Seilbahnen des Huang Shan
Wartebereich Busse zu den Seilbahnen

In Tangkou stehen wir auf einem großen Parkplatz. Erst einmal verlaufen wir uns und wissen nicht wohin. Zu unserer rechten Seite befinden sich kleine Läden, die aber nichts mit dem Verkauf von Bustickets zum Huang Shan zu tun haben. Schließlich sehen wir auf der linken Seite des Parkplatzes ein menschenleeres Gebäude, in dem wir die benötigten Tickets für ca. 35 € bekommen. Für diesen Preis können wir beliebig lange auf dem Berg bleiben, so lange wir ihn nicht verlassen, und einmal mit der Seilbahn fahren. Auf der anderen Seite des Gebäude gelangen wir in einen Bereich, in dem ein Anstehbereich, wie für eine Achterbahn abgegrenzt ist. Zwei Busse sind ausgewiesen: Gate 5 nach CiGuangGe und Gate 4 nach YunGuSi.

Link zu einer Karte des Huang Shan Gebirges:
https://www.chinadiscovery.com/assets/images/huangshan/huangshan-hiking-map/huangshan-hiking-map-full01.jpg

Start: Bergstation Yuping Seilbahn | Ziel: Baiyun Hotel
Länge: 2,5 km | HM: 388 m | Gehzeit: 1,25 Std. | Gesamtzeit: 2,25 Std.
Bewertung: ★★★★★

Kletterei durch Felsen des Huang Shan
Kletterei durch Felsen des Huang Shan

Unsere Route soll im Westen des Gebirges beginnen und im Osten enden. Der Bus nach CiGuangGe bringt uns zur Yuping Seilbahn, welche wir nehmen. Die ursprünglichen Planungen hätten uns zu Fuß am Mercy-Light-Pavillon, dem Halfway-Temple und der Greeting-Guests-Pine vorbei hoch auf den Berg geführt. Doch die letzten Wochen sind nicht spurlos an uns vorbei gegangen und wir entscheiden uns dieses Mal für den unanstrengenden Weg. Von der Bergstation wandern wir zum Lotus Peak. Die Felsen wirken weicher als im Zhangijajie und bilden keine schroffen Felssäulen. Pinien, die kaum größer sind als wir, breiten ihr Dach ab und an über uns aus. An einer Stelle führt uns der Weg mitten durch ein Loch im Fels. Eine schöne Kletterei, die nicht anspruchsvoll ist, aber Spaß macht.

im Huang Shan auf den Lotus Peak
auf dem Weg zum Lotus Peak
die Chinesen essen im Schlafsaal zu Abend; Huang Shan - Baiyun Hotel
die Chinesen essen gemeinsam zu Abend

Schließlich gelangen wir zum Baiyun Hotel. Hier stehen wir Schlange zum Einchecken. Nachdem wir an der Rezeption an die Reihe gekommen sind, wird uns bedeutet, dass wir warten sollen. Weshalb erfahren wir nicht, da es eine große Sprachbarriere gibt. Süßen Tee trinkend nehmen wir zwei Sessel in Beschlag. Nach mehr als einer Stunde kommt eine Mitarbeiterin des Hotels, wir folgen ihr und werden jeder zu einem 10-Bett-Zimmer geleitet. Es gibt geschlechtergetrennte Schlafsäle; Doppelzimmer hätte es auch gegeben, aber zu einem überteuerten Preis. Während ich einige Sachen auspacken wollte, kam die Hotelangestellte wieder, nahm mir die Zimmerkarte ab und führte mich in ein anderes Zimmer. Sie hat sich im Zimmer vertan.

Das Hotelrestaurant abends gleicht leider eine Kantine und das chinesische Essen, das uns andernorts gut schmeckte, trifft hier überhaupt nicht unseren Geschmack. Obwohl die Zimmer an sich unseren Erwartungen (an einen 10er Hostelschlafsaal) entsprachen, führten die lange Wartezeit beim Check-In und das Restaurant dazu, dass wir dieses Hotel nicht in guter Erinnerung behalten werden.

Unsere Mitbewohner unterhalten sich bis nach Mitternacht rege und behalten das Licht an. Nach wenigen Stunden Schlaf geht gegen 3:45 Uhr das Licht an und ausnahmslos alle beginnen sich anzuziehen. Ich bin verwundert und tippe in meinen Google Übersetzter die Frage ein, warum alle aufstehen. Ich werde verwundert angesehen und erhalte die getippte Antwort „Sonnenaufgang“. Tobi ist ebenfalls wach und wir entscheiden mitzugehen. Es ist noch ganz schön frisch draußen, sodass wir alle Kleidung, die wir im Rucksack haben, anziehen.

Eine Karawane Chinesen strömt zum „Bright Top“. Hier warten alle dicht gedrängt auf den Sonnenaufgang. Der Himmel wird rötlich und schnell ist das Spektakel wieder vorbei. Ein schöner Morgen, aber das Glück während des Sonnenaufgangs die Bergspitzen mystisch im Nebel versunken sehen zu können, haben wir nicht. Auf dem Rückweg geht es einige Treppenstufen hinunter. Sehr viele Chinesen gehen die Treppen unsicher rückwärts hinunter. Ein interessanter Anblick, wobei wir den Grund nicht ganz verstehen.

Start: Baiyun Hotel | Ziel: Shilin Hotel
Länge: 8,4 km | HM: 1050 m | Gehzeit: 4,5 Std. | Gesamtzeit: 6 Std.
Bewertung: ★★★★★

Fairy-Walking-Bridge im Huang Shan
Tobi auf der Fairy-Walking-Bridge

Das Frühstück im Hotel ist besser als das Abendessen. Nun schultern wir unsere Rucksäcke und wandern weiter. Zuerst sind wir völlig alleine unterwegs. Nur ein einzelner Mann sammelt Müll auf. Die Fairy-Walking-Bridge auf unserem Weg ist eine steinerne kurze Brücke zwischen zwei Felsen. Unter uns liegt der Abgrund. Ein eindrucksvoller Moment.

Nach der Sanxi Brücke gelangen wir in den sogenannten ersten und zweiten Ring des Xihai Grand Canyon, der Westmeer-Schlucht. Zuvor lasen wir online, dass man hier fast alleine sein und eine tolle Aussicht haben solle. Letzteres stimmt uneingeschränkt, doch alleine sind wir hier definitiv nicht. Die Paiyun Bahn, eine Art Zahnradbahn, sieht noch recht neu aus und führt eine Menge Touristen direkt hierher.

Wir gehen die beiden Ringe in entgegengesetzter Richtung und somit gegen den Strom. Die Entscheidung fiel zwar ohne Absicht, doch war sie goldrichtig. Es gibt viele enge Stellen, an denen kaum zwei Menschen nebeneinander passen. Den Gruppen zu zweit entgegenzukommen ist kein Problem, alle nacheinander in selber Gehrichtung überholen zu müssen, wäre weniger schön gewesen… Der Weg führt teils auf schmalen Betonpfaden, die wie an den Fels geklebt wirken, teils unter Überhängen hindurch und dann wieder durch schmale Schluchten. Am Flying-Over-Rock staunen wir, was die Natur hervorbringen konnte: Ein Hinkelstein der von einem Felsplateau nahe des Abgrunds emporragt. Ein imposanter Anblick!

Nachmittags gelangen wir zum Beihai Hotel, wo wir ein Zimmer reserviert haben. Dort liegt aber keine Reservierung vor. In meinen Kopf schießen Gedanken, wo wir denn bloß schlafen sollen oder ob wir den Berg noch verlassen und im Tal etwas finden könnten. Der Rezeptionist telefoniert und teilt uns mit, dass sie uns ins Shilin Hotel umgebucht haben. Er beschreibt den Weg und wir können dort unser Doppelzimmer beziehen. Alle Aufregung wieder umsonst. Zum Glück. Abends gibt es nur ein ausgiebiges Buffet oder gar nichts zu essen. Dann nehmen wir doch lieber das rund 18 € teure Buffet, obwohl wir nur wenig Hunger haben und es sich so nur wenig lohnt.

Stone Monkey Watching the Sea - Felsformation im Huang Shan beim Lions Peak
Stone Monkey Watching The Sea

Start: Shilin Hotel | Ziel: Talstation Yungu Seilbahn
Länge: 6,6 km | HM: 468 m | Gehzeit: 3 Std. | Gesamtzeit: 4 Std.
Bewertung: ★★★★☆

Am nächsten Morgen schlafen wir richtig aus. Nach einer Stärkung vom Frühstücksbuffet beginnen wir unseren letzten Wandertag. Zuerst führt es uns zum „Lions Peak“, hier thront ein Felsbrocken in Form eines Affen auf dem Plateau eines nahen Gipfels. Schon folgt der Abstieg. Wer möchte, könnte stattdessen die Yungu Seilbahn nehmen. Über unzählige Treppen verlassen wir den Huang Shan.

Träger am Huang Shan
Träger am Huang Shan

Einige Träger kommen uns schwer beladen entgegen: Sie schleppen alles erdenkliche mit einem Holzbrett, das über die Schulter gelegt und an dessen Enden die Ware gehängt wird, auf den Berg hinauf. Von Steinplatten für den Bau, Wasserflaschen oder Gemüse bis hin zu Bettwäsche ist alles dabei – bei einem der Träger zählen wir über 90 halbe Liter Flaschen Wasser. Diese Menschen verrichten eine unglaublich anstrengende Arbeit und die Vorstellung, dass ihr Lohn günstiger sein soll als die Seilbahn, fällt schwer. Wir haben Mitleid für diese mies bezahlten Arbeitsbedingungen und gleichzeitig bewundern wir die Stärke dieser Menschen.

Tag 1: über den Lotus Peak

Gesamtstrecke: 2523 m
Gesamtanstieg: 388 m
Gesamtabstieg: -264 m
Download file: Huang_Shan_Tag1.gpx

Tag 2: Xihai Grand Canyon

Gesamtstrecke: 8378 m
Gesamtanstieg: 1050 m
Gesamtabstieg: -1188 m
Download file: Huang_Shan_Tag2.gpx

Tag 3: Abstieg vom Huang Shan

Gesamtstrecke: 6593 m
Gesamtanstieg: 468 m
Gesamtabstieg: -1175 m
Download file: Huang_Shan_Abstieg.gpx
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