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Gratwanderung auf der Nagelfluhkette

Gratwanderung über mehrere Gipfel mit atemberaubenden Ausblicken

Start: Bergstation Hochgratbahn| Ziel: Bergstation Mittagbahn
Länge: 14 km | HM: 1100 m | Gesamtzeit: 4,5 – 7 Std.
Bewertung: ★★★★★

Die Sonne brennt auf uns nieder und wir kraxeln geschwind einen Gipfel nach dem anderen hinauf um direkt im Anschluss wieder abzusteigen. Wo wir sind? Auf den Graten der Nagelfluhkette.

Grat der Nagelfluhkette
Grat der Nagelfluhkette

Die Wanderung von Hochgrat bis Mittag (so heißt der letzte Gipfel) ist mit sieben Stunden benötigter Zeit angegeben. Morgens sind wir zu spät losgekommen, waren überrascht, dass es bis zum Startpunkt der Wanderung von Oberstdorf aus eine Stunde mit dem Auto dauert und zu allem Überfluss bildete sich vor dem Lift zum Hochgrat auch noch eine lange Schlange. Summa summarum waren wir erst nach 12 Uhr auf dem Hochgrat. Eigentlich viel zu wenig Zeit, um bis 17 Uhr die letzte Fahrt der Mittagbahn zu bekommen und anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück zum Ausgangsort zu gelangen.

Wir haben uns dementsprechend auf den Graten der Nagelfluhkette beeilt, auf Pausen verzichtet und tatsächlich noch alles wie geplant geschafft. Nach nur vier Stunden erreichten wir den Gipfel des Mittag und konnten uns sogar noch ein kühles Getränk auf der Hütte gönnen (die Buttermilch mit Holunder ist sehr lecker!). Empfehlen würden wir euch jedoch einen frühen Start und mindestens sechs Stunden Wanderzeit, denn wir haben auch von Leuten gelesen, die mit den sieben Stunden nicht auskommen sind.

Aufgrund der späten Stunde parkten wir direkt an der Talstation der Hochgratbahn (Parkgebühr 4€/Tag). Schöner empfinden wir es zum Auto zurückzuwandern, um später nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein. Die Wanderung endet in Immenstadt, ca. 15 Minuten vom Bahnhof entfernt. Von dort fährt ein Zug nach Oberstaufen (Ticket 4,50€), von wo aus man einen Bus (Linie 95, Ticketpreis 3,50€) zur Hochgratbahn nehmen kann. Beim Kauf der Bergbahntickets gibt es ein Kombi-Ticket für eine Bergfahrt am Hochgrat und eine Talfahrt mit den Sesselliften am Mittag. Dieses ist etwas günstiger als zwei einzelne Fahrkarten.

Nagelfluhkette erhebt sich hinter Svenja
Weg auf erodierter Wiese der Nagelfluhkette
Weg auf erodierter Wiese

Nun aber endlich zur Wanderung: Die Wanderung auf der Nagelfluhkette ist atemberaubend schön und wird nicht ohne Grund in vielen Wanderführern und Zeitschriften angepriesen! Mehrere Gipfel reihen sich aneinander und die Wanderung ist ein stetiges Auf und Ab. Wir hatten am Ende ca. 1000 hm und 14 km auf der Uhr. Gleich zu Beginn wird der Gipfel des Hochgrat (1834m) bestiegen. Die folgenden Auf- und Abstiege verlangen teils Trittsicherheit, sind aber insgesamt gut zu machen. Es gibt Wege auf erodierten Wiesen und dem darunter befindlichen Sand-Stein-Gemisch. Teils hat herabfließendes Wasser die Pfade 40-50 cm tief in den Boden gegraben. Immer wieder geht es über das nackte Nagelfluhgestein, welches an schwierigen Stellen mit Stahlseilen abgesichert ist. Doch auch Wiesen, mit Holzbalken gesicherte Stufen und wenige Waldwege werden begangen.

Die meiste Zeit gehen wir direkt auf dem Grat, der nach links steil abbricht und nach rechts eher flach abfällt. Hoch oben hat man eine wundervolle Aussicht in alle Richtungen. Ein erhabenes Gefühl! Die meisten Kletterstellen befinden sich zwischen den Gipfeln Stuiben (1749m) und Steineberg (1660m). Für uns machen sie einen besonderen Reiz der Wanderung aus. Vom Steineberg-Gipfel aus führt eine 17 m hohe Leiter zurück auf den weiteren Weg. Man kann um den Gipfel jedoch auch herumgehen und so die Leiter auslassen. Der übrige Weg zum Mittag verläuft auf leichteren Wegen. An den Gipfeln Hochgrat und Mittag trafen wir jede Menge Familien und weitere Wanderer auf den Wegen, da die Bergbahnen einen leichten Zugang bieten. Dazwischen waren wir größtenteils allein unterwegs. Nur vereinzelt sahen wir weitere Wanderer, die die gleiche Strecke oder Rundtouren gemacht haben.

Gottesbeton - Nagelfluhgestein
Gottesbeton – Nagelfluhgestein

Das Nagelfluhgestein ist besonders und wir überlegten mehrfach, ob hier etwa Beton auf dem Berg verwendet wurde, konnten uns dies aber nicht vorstellen. Später fanden wir die Erklärung: Gesteinsbrocken wurden durch Flüsse abgelagert und haben sich zusammen mit Schlamm, Schutt, Geröll, Kalk und Calcit verbunden. Die in diesem Konglomerat befindlichen abgerundeten Gesteinsbrocken sind gut sichtbar. Insofern: Nein, es ist kein Beton, sondern ganz natürlich entstandenes Nagelfluhgestein – im Volksmund auch Gottesbeton genannt. Wandert selbst und schaut, es lohnt sich!

Insgesamt ist die Nagelfluh-Gratwanderung ein stetiges Auf und Ab mit teilweise sehr steilen und anspruchsvollen Stellen, aber auch traumhaften Ausblicken ins Tal und auf die umliegenden Berge sowie wunderschönen Pfaden, die sich immer schmal den Berg hinauf und hinab schlängeln. Genau wie wir es lieben. Nehmt auf jeden Fall genug Wasser für diese anstrengende Tour mit, da es auf der gesamten Strecke außer an den Bergstationen am Anfang und am Ende keine Einkehrmöglichkeiten gibt.

Gesamtstrecke: 14067 m
Gesamtanstieg: 1099 m
Gesamtabstieg: -1399 m
Download file: Nagelfluhkette_Gratwanderung.gpx
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