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Ventanas de Güimar

die eindrucksvollste Wassertunnel-Wanderung von Teneriffa

Start: Pista de Anocheza | Ziel: Plaza de la Hoya
Länge: 10,6 km | HM: 600 m | Gesamtzeit: 5 Std.
Bewertung: ★★★★★

Wasser ist die Quelle des Lebens und das Leitmotiv dieser atemberaubenden Wanderung. Wasser war auf der Südseite von Teneriffa schon immer ein knappes Gut. Von den Anstrengungen an dieses kostbare Gut zu kommen, zeugt diese Tour: Kilometerlang ist ein Wasserkanal hoch in die steile Felswand gebaut. Entlang dieses alten Wasserkanals wandern wir durch eine Vielzahl von Tunneln mit unzähligen Fensteröffnungen, die grandiose Ausblicke in die Schlucht und auf noch folgende Abschnitte der Ventanas de Güimar bieten.

Anreise

Am sinnvollsten ist diese Wanderung als Streckenwanderung zu bestreiten. Hierfür haben wir den Mietwagen am „Plaza de la Hoya“ geparkt und sind von dort mit dem Taxi zum Startpunkt der Wanderung gefahren. Das Taxi rufen wir unter der Telefonnummer +34 922513696 (danke an Mundi-Roth für die Referenz auf die Nummer). Am anderen Ende wird ausschließlich Spanisch gesprochen, kein Englisch, doch die wiederholten Worte „Taxi“ und „Plaza de la Hoya“ funktionieren einwandfrei. Keine fünf Minuten später kommt unser Taxi.

Der Taxifahrer weiß irgendwie bereits, wo wir hin möchten. Wir bestätigen nur „Si, Ventanas de Güimar“: Da das Taxameter ausgeschaltet bleibt, müssen wir mit Händen und Füßen nach einem Preis fragen. Die Fahrt kostet lediglich 15 € (Stand Februar 2022) und wir wundern uns, dass wir so günstig ans Ziel kommen. Zuvor hatten wir in älteren Internetbeiträgen bis zu doppelt so hohe Preise gelesen. Mangels Spanischkenntnissen wollten wir eigentlich am Vorabend über einen Taxiservice im Internet buchen. „Glücklicherweise“ hat uns dieser kurzfristig storniert, denn dieser hätte das Doppelte gekostet. Wir können euch daher das Abenteuer „spanische Taxizentrale“ ans Herz legen.

Genau am geplanten Startpunkt werden wir nach einer Fahrt über die TF-28 und die Pista de Anocheza am Ende der Teerstraße abgesetzt. Das war viel einfacher als gedacht! Nun steigen wir rund 200 Höhenmeter auf einer steilen Piste bis zu einer Funkstation auf. Noch ein paar Meter weiter, geht es nach rechts ins Gebüsch. Hier erwarten uns direkt drei Warnschilder, die die geplante Wanderung als gefährlich ausweisen und den Weg als geschlossen markieren. Wir ignorieren diesen Hinweis und biegen in einen kleinen ziemlich zugewachsenen Pfad ein.

Ventanas de Güimar

Wir möchten darauf hinweisen, dass wir keinerlei Verantwortung übernehmen und dieser Weg aus gutem Grund kein freigegebener Wanderweg ist. Der Kanal ist an vielen Stellen durch Erdrutsche und Steinschlag sehr in Mitleidenschaft gezogen. Daher existiert häufig kein Weg im eigentlichen Sinne.

abgedeckter Wasserkanal Fasnia-Arafo
abgedeckter Wasserkanal Fasnia-Arafo

Dieser kleine Pfad führt direkt an den Wasserkanal Fasnia-Arafo, welcher hier mit Betonplatten abgedeckt ist. Viele dieser Abdeckungen fehlen jedoch bereits oder sind kaputt. Daher müssen wir häufig auf- und absteigen, wandern mal neben dem Kanal, balancieren dann wieder auf den etwas mehr als 10 cm breiten Seitenwänden und können selten, wenn nicht gerade Äste im Weg sind, relativ leicht auf dem Kanal entlang spazieren.

abgestürzter Bagger auf dem Weg auf der Wanderung Ventanas de Güimar
abgestürzter Bagger auf dem Weg

Schon bald erreichen wir einen abgestürzten Bagger, der mit Stahlseilen gesichert im Hang hängt. Der gelbe Bagger zeigt uns, dass nun der Hauptteil der Wanderung beginnt. Wir gehen um den Bagger herum, setzten unsere Stirnlampen auf und betreten den ersten von zehn Tunneln. Eine trockene Wasserrinne aus Beton verläuft durch einen in den Stein gesprengten Stollen. Manchmal können wir aufrecht gehen, die meiste Zeit müssen wir uns jedoch bücken.

Svenja in Wasserrinne im Tunnel
Wasserrinne im Tunnel
schmaler Pfad am Abhang der Schlucht entlang des Wassertunnels
schmaler Pfad am Abhang der Schlucht

Ab jetzt sind wir immer abwechselnd in Tunneln und auf schmalen Pfaden, die am Abhang der tiefen Schlucht entlang führen, unterwegs. Bloß nicht daneben treten, das könnte tödlich enden! Ab dem dritten Tunnel kommen teilweise „Fenster“ hinzu. Hierbei handelt es sich um Öffnungen der Seitenwände, die zu Bauzeiten dazu genutzt wurden, den Steinschutt einfach hinauszuwerfen. Andere Tunnel sind wie die ersten komplett dunkel.












Während wir durch die Wassertunnel wandern, bieten die unzähligen Fenster der späteren Abschnitte spektakuläre Aussichten: Steil erhebt sich die Felswand entlang des Barranco de Badajoz und wenige Zentimeter vor unseren Füßen fällt die Steilwand hunderte Meter in die Tiefe hinab. Dahinter erblicken wir das Tal von Güimar sowie das Meer. Uns stockt der Atem, wenn wir aus den Mille Ventanas (zu Deutsch „1000 Fenster“) heraus auf die Fensteröffnungen im gegenüberliegenden Fels blicken. Tausend sind es zwar nicht, aber an die Hundert bestimmt.

Geocaching-Fans haben gegen Mitte der Wanderung die Chance einen Cache in dieser spektakulären Umgebung zu suchen.

Zum Ende der Tunnelwanderung hin treffen wir vermehrt auf Schienenteile. Ob diese für den Bau des Wasserkanals verwendet worden sind? Die schweren Betonelemente für den Kanal mit reiner Muskelkraft hier hinauf zu wuchten, ist für uns jedenfalls unvorstellbar.

Wasserkanal im Tunnel neben Fenster der Ventanas de Güimar
Wasserkanal im Tunnel neben Fenster

Schließlich zweigt ein Tunnel nach links ab während ein zweiter geradeaus weiter führt. Ab hier sind Leitungen aus Hartplastik im Wasserkanal verlegt, die vermutlich bis heute genutzt werden. Wir folgen dem linken Tunnel und durchqueren ohne Fenster die Flanke des Berges. Es ist der längste Tunnel und es dauert ein wenig bis wir auf der anderen Seite die Stirnlampen wieder ausschalten können.

Abstieg

Wir verlassen den letzten Stollen und wandern in nun etwas flacherem Gelände das letzte Stück über den nun abgedeckten Kanal an den nächsten Weg. Auch hier sind die Abdeckungen des Kanals häufig zerbrochen. Mal gehen wir neben dem Kanal über teils dicht bewachsenen Pfad, dann balancieren wir auf den Seitenwänden und selten gehen wir entspannt über intakte Abdeckungen unseren Weg. An einer Stelle hat ein Erdrutsch den Kanal unter sich begraben. Es ist jedoch unproblematisch über diesen hinweg zu steigen.

Zuletzt erfolgt der Abstieg nach La Hoya. Eine Piste führt uns auf einen steilen Pfad und später eine noch immer steile Straße hinab bis ins Dorf. So verlieren wir zwar schnell Höhenmeter, aber der Abstieg ist auch anstrengend. Der erste Ortsteil von Güimar ist La Hoya. Dort parkt unser Auto.

Es ist schwierig für diese Wanderung genaue Zeit- und Kilometerangaben mitzuteilen, da in den Tunneln kein GPS-Gerät Empfang hat. Wir sind vom Startpunkt bis zum Auto inklusive vieler Fotostopps insgesamt fünf Stunden unterwegs gewesen. Etwas unter zwei Stunden haben wir davon innerhalb der Tunnel verbracht. Rund 25 Minuten hat der Aufstieg und 75 Minuten der Abstieg gedauert.

Diese aufregende Kanalwanderung in schwindelerregender Höhe ist etwas ganz besonderes! Wichtig sind eine Stirnlampe sowie Trittsicherheit und trockenes Wetter. Von dieser Wanderung entlang der Fenster von Güimar werden wir noch in vielen Jahren schwärmen! Diese Kletterei ist unser Highlight auf den Kanaren und einer unserer absoluten Wanderfavoriten!

Gesamtstrecke: 11154 m
Gesamtanstieg: 1045 m
Gesamtabstieg: -1603 m
Download file: Ventanas_de_Gueimar.gpx

Info: Die Angaben der Höhenmeter werden leider nicht richtig angezeigt. Die Angabe unter dem Titel ist korrekt.

Diese Tour ist Teil eines Wanderurlaubs auf den Kanaren. Hier findest du die übrigen Wanderberichte von La Gomera und Teneriffa.

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