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Barranco de Guarimiar und El Drago

Schlucht bei Imada und ältester Drachenbaum La Gomeras

Start: Imada | Ziel: Imada
Länge: 11,9 km | HM: 800 m | Gehzeit: 4,5 Std. | Gesamtzeit: 5,25 Std.
Bewertung: ★★★★☆

Im Aufstieg höre ich meinen eigenen Puls im Ohr. Es ist anstrengend, doch das macht nichts. Die grüne Berglandschaft La Gomeras mit tiefen Schluchten, Terrassenfeldern, Kakteen und Agaven ist es wert.

Barranco de Guarimiar

Wir orientieren uns an einer Tour des Rother Wanderführers (Nr. 11), wandeln diese jedoch etwas ab, um den Teeranteil zu reduzieren und auch den Drachenbaum El Drago zu besichtigen. Man könnte die Tour auch, wie der Wanderführer empfiehlt, in Imada starten, welches sowohl mit dem Auto als auch mit dem Bus erreichbar sein soll. Wir parken unser Auto jedoch bereits etwas eher an der Straße CV-13 hinter einem Aussichtspunkt, rund 600m bevor links nach Imada abgebogen werden könnte.

Abstieg von Imada in den Barranco de Guarimiar
Abstieg von Imada in den Barranco de Guarimiar

Von unserem Parkplatz der großen Straße biegen wir direkt auf einen alten Camino nach Imada. Wenige Meter über Gestein nach oben, dann haben wir den Bergrücken überquert und folgen dem Pfad zwischen dickfleischigen Feigenkakteen abwärts. Die Dorfstraße von Imada kreuzen wir nur und folgen weiter unserem Pfad. Jeder Schritt führt uns tiefer in den Barranco Guarimiar hinein.

Bald geht unser Weg in die Wand der Schlucht über, die rechts von uns aufragt. Links blicken wir den tiefen Abgrund hinab und auf die gegenüberliegende nur spärlich bewachsene Felswand. Der Weg ist mit einem Geländer aus weißem Tau gesichert und zu keiner Zeit gefährlich. Es empfiehlt sich immer wieder der Blick zurück, der aus unserer Sicht häufig noch schöner als nach vorne ist. Die Natur hat mal wieder eindrucksvolles geschaffen; wir genießen es hier sein zu dürfen. Möglicherweise ist es eine gute Alternative die Richtung der Tour umzukehren. Allerdings könnten später folgende steile Anstiege in umgekehrter Richtung im Abstieg unpraktisch sein. Teilt uns gerne eure Erfahrungen in einem Kommentar mit. Nach unseren Beobachtungen sind mehr Wanderer in unsere Richtung als in der Gegenrichtung unterwegs.

Südlicher werden die Felswände niedriger und es zeigt sich die wunderbare weite grüne Landschaft des Tals. Ein Bewässerungskanal, den wir kilometerlang entlang des Felsens mit unseren Blicken verfolgen können, wird nun gekreuzt. Er sieht intakt aus und wird vermutlich noch heute genutzt.

Wasserkanal im Barranco de Guarimiar
Wasserkanal im Barranco de Guarimiar

Etwas oberhalb gehen wir an Guarimiar vorbei. Die Häuseransammlung ist von vielen Terrassenfeldern umgeben. Ob hier heute noch etwas angebaut wird? Zurzeit sehen die von Stein getrennten Terrassen grasbewachsen, aber sonst leer aus. Es muss unglaublich anstrengend gewesen sein, all diese Felder von tausenden Steinen zu befreien und zumindest eine dünne Schicht fruchtbaren Boden herbeizuschaffen.

Felsplateu mit Blick in den Barranco de Guarimiar
Felsplateu mit Blick in den Barranco de Guarimiar

Der erste steinige Aufstieg heute ist anstrengend doch nur kurz. Ziel ist ein Felsplateu aus Lavagestein mit toller Aussicht auf die zurückliegende Schlucht und ihre Felsen. Der perfekte Pausenplatz nachdem wir rund zwei Stunden unterwegs sind. Die Sonne brennt vom Himmel herab und auch wenn es nur rund 20 Grad sein sollen, fühlt es sich mangels Schatten auf dieser Tour eher wie 30 Grad an.

Nach einem kurzen Abstieg führt der Camino über eine Art uraltes grobes Kopfsteinpflaster erneut steil bergauf. Ich höre meinen eigenen Puls in den Ohren. Serpentine um Serpentine gewinnen wir an Höhenmetern. An einer Stelle ist der Felsensteig durch einen Erdrutsch abgebrochen. Dies macht jedoch nichts, denn mit Hilfe der Hände und etwas Kraxelei ist der fehlende Meter des Weges fix überwunden.

Je näher wir dem Dörfchen Targa kommen, desto flacher wird es. In Targa umgehen wir eine Serpentine der Straße durch einen kleinen Pfad mitten durch einen Mini-Barranco. Nun lässt sich der Asphalt nicht ganz vermeiden. Jedoch glücklicherweise nur für wenige Schritte, dann führt ein gepflasterter Pfad, der im Dunkeln von vielen Straßenlaternen beleuchtet wird, vorbei an mit Steinmauern abgegrenzten Terrassenfeldern. Linkerhand schneidet ein Farmer seine Palmen.

Drachenbaum El Drago

Wir erreichen Alajero, das wir auf kleinen Ortsstraßen durchqueren, bevor erneut ein Wanderweg abzweigt. Nun könnten wir immer geradeaus zurück zum Auto gehen. Durch einen Wegweiser ist uns jedoch bewusst geworden, wie nahe wir gerade am ältesten Drachenbau La Gomeras vorbeigehen würden. Daher zweigen wir nach links ab, folgen keine 500 m einem Fahrweg und gelangen auf einen von niedrigen Steinmauern begrenzten Pflasterweg.

Steil führt der Weg bergab, vorbei an Agaven und Kakteen, bis zum eingezäunten Drachenbaum El Drago. Wir wandern wegen der schönen Strecken; nur für den Baum hinabzusteigen hätte bei uns wohl für Enttäuschung gesorgt. Der Baum ist zwar groß und die Krone besteht anstatt aus Blättern aus einer Art dichten Palmwedeln, doch als spektakulär empfinden wir ihn nicht.

In der prallen Sonne steigen wir einen halben Kilometer auf bereits bekanntem Weg wieder auf, dann zweigen wir nach links ab und der steile Weg geht weiter nach oben in Richtung Hauptstraße. Die Sonne brennt herab, von Schatten ist weit und breit keine Spur zu sehen und unsere Wasservorräte sind längst aufgebraucht. Die letzten Meter zur Straße ziehen sich, aber einmal oben sind wir keine fünf Minuten später zurück am Auto.

Der Barranco de Guarimiar ist uneingeschränkt das Highlight des Tages. Eine Wanderung durch diese Schlucht sollte auf jeden Fall Bestandteil eures Urlaubs sein, wenn ihr einige Tage auf La Gomera verweilt. Die übrige Strecke ist ebenso kurzweilig und komplementiert den Barranco zu einer lohnenswerten Rundwanderung.

Gesamtstrecke: 11963 m
Gesamtanstieg: 1437 m
Gesamtabstieg: -1433 m
Download file: Imada_Schlucht_und_Drachenbaum.gpx

Info: Die Angaben der Höhenmeter werden leider nicht richtig angezeigt. Die Angabe unter dem Titel ist korrekt.

Diese Tour ist Teil eines Wanderurlaubs auf den Kanaren. Hier findest du die übrigen Wanderberichte von La Gomera und Teneriffa.

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