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Von Hermigua über die östlichen Berge an die Steilküste

Start: Hermigua | Ziel: Hermigua
Länge: 18 km | HM: 1000 m | Gehzeit: 6,25 Std. | Gesamtzeit: 7,25 Std.
Bewertung: ★★★★☆

Stürmisch brechen die Wellen an Felsen, die vor der Küste liegen. Es ist schön sich den Wind um die Nase wehen zu lassen nachdem ich über die Berge wandernd zum Meer gelangt bin.

Beginn der Wanderung ist in Hermigua. Da wir hier wohnen, können wir direkt vor der Haustür die Wanderung beginnen. Alle anderen können ihr Auto an verschiedensten Stellen am Straßenrand parken oder mit der Buslinie 2 anreisen.

Die ersten 1,5 Kilometer führt eine asphaltierte Straße aus dem Ort heraus. Bereits jetzt gewinne ich die ersten Höhenmeter. Nach rechts biegt ein kleiner Pfad ab, den ich nehme. Anfangs noch über steinerne Treppen geht es schon bald über Schotter und Stein aufwärts bis ich den Bergrücken erreiche. Niedrige Wolfsmilch- und andere Gewächse säumen den Wegesrand. Links und rechts des teils ausgesetzten Pfades fällt der Hang steil ab.

Kurz vor Erreichen der Straße ist ein Stück des Weges durch einen Erdrutsch verloren gegangen. Wagemutige könnten hier vermutlich noch an der Kante des Abhangs auf losem Gestein queren, ich entscheide mich lieber dafür über den noch stehenden Fels oben um den Engpass drumherum zu klettern, wie es wenige Spuren bereits vor mir getan haben. Das funktioniert gut und ich setzte meine Wanderung fort.

Ein kleines Stück ist nun eine erdige Piste zu gehen. Wenn sich die Straße aufgabelt, links halten und schon führt ein Pfad für kurze Zeit durch ein grünes Tal. Dieses liegt nur wenige Meter niedriger und doch komme ich mir nach den kargen Wegen zuvor wie in einer kleinen Oase vor. Neben Palmen wachsen hier viele kleinere Pflanzen. Es dauert nicht lange bis die Oase endet und ich erneut über einen steinigen Weg aufsteige.

"Oase" mit Palmen bei Hermigua
„Oase“ mit Palmen bei Hermigua

An der Weggabelung rechts halten, dann führt der schmale Pfad über schwarzgrauen Schotter langsam weiter. Ich höre das Meer bereits rauschen, auch wenn ich es nicht immer sehen kann. Erneut ist nun eine erdige Schotterpiste unser Weg. Diese ist jedoch zumeist in so schlechtem Zustand, dass ich mit keinem Fahrzeug hier entlang fahren wollte und sie mch als Wanderweg nicht stört. Links und rechts der Piste wachsen unzählige Wolfsmilchgewächse wie ein niedriger Wald, der nur von Felsbrocken unterbrochen wird.

Die heutige Wanderung bietet die Möglichkeit für zwei Abstecher, die direkt an der Steilküste entlang führen. Der erste Abstecher ist aus meiner Sicht weniger lohnenswert. Für diesen folgt dem Weg Richtung Punta Borallos etwa bis zur zweiten Leitplanke, die hier als Absturz-Schutz aufgestellt wurde. Danach bessert sich der Blick nicht mehr und der Weg endet im Nirgendwo an Ruinen. Auf dem selben Weg geht es erst über Steine, dann über Gras zurück zum Hauptweg.

Blick auf die Klippen vom Abstecher Richtung Punta Borallos
Blick auf die Klippen vom Abstecher Richtung Punta Borallos

Ein schmaler Pfad führt von hier aus weiter nach El Palmar, wo eine Palme eine Ruine so wie ein Autowrack idyllisch beschattet. Rund um das ehemalige Haus blühen Büsche und Pflanzen und obwohl alles verfallen ist, sieht es doch gepflegt aus. Im Anschluss führt der Pfad sanft weiter abwärts und quert im Tal mit einer Brücke den kleinen Bach „Canada la Barraca“. Deutlich merke ich, dass ich am selben Hang wie nur kurz zuvor bin, denn auch hier bilden die Wolfsmilchgewächse einen niedrigen Wald. Eidechsen huschen ständig raschelnd vor mir davon.

Die Küste nun immer im Blick gelange ich entlang von Agaven zu einem Abzweig. Wer die Wanderung schneller beenden möchte, hält sich links. Entdecker der Küste folgen dem Schild „Las Salinas“ nach rechts auf den „Sendero de La Caleta a Punta San Lorenzo“. Ein früherer Camino Real führt direkt an den Steilklippen entlang zu den Überresten eines Leuchtturms. In diesem Abschnitt der Wanderung treffe ich das erste Mal für heute auf andere Touristen. Auch daran, dass der Klippenpfad häufig mit einem Zaun gesichert ist, ist festzustellen, dass sich hierher mehr Touristen verirren.

Klippenpfad: „Sendero de La Caleta a Punta San Lorenzo“
Klippenpfad: „Sendero de La Caleta a Punta San Lorenzo“

Dieser zweite Abstecher für heute ist mit Hin- und Rückweg rund 4 Kilometer lang und durch sein Auf und Ab alles andere als kurz. Dennoch lohnt er sich total. Die Aussicht auf das tobende Meer ist gigantisch. Die Wellen brechen an im Wasser liegenden Felsen und die weiße Gischt schnellt in die Luft. Ein schönes Spektakel!

Abstieg nach Hermigua, im Hintergrund  ist der Bananenverladehafen El Pescante zu sehen
Abstieg nach Hermigua, im Hintergrund El Pescante

Dort wo der Pfad auf die Straße trifft, befinde ich mich wieder auf dem Hauptweg und es ist die Entscheidung zu fällen, ob man zusätzlich zum Strand „Playa de la Caleta“, absteigt. Ich entscheide mich dagegen, da man den Strand von oben ebenso gut sehen kann und mich die hinabführende Teerstraße nicht zu einem Abstecher motiviert.

Auch ohne den Besuch des Strandes folgt nun rund ein Kilometer Asphalt, bevor ich auf einer erdigen Steintreppe zum „Mirador de la Orilla“ aufsteigen kann. Von hier besteht ein guter Blick auf Hermigua und seine Bananenplantagen. Als weitere Aussichtsmöglichkeit beim Wandern ist es hier sehr schön, nur für die Aussicht extra vorbeizukommen, würde ich nicht empfehlen.

Die letzten Meter der Wanderung führen steinig hinab nach Hermigua. Noch im Abstieg kommen die ersten Häuser in Sicht und schließlich eine ganze Siedlung. Zwischendrin genieße ich die letzten Blicke auf das Meer und kann auch El Pescante, die ehemalige Verladestation für Bananen, gut erkennen. El Pescante besteht aus vier Betonpfeilern, die vor den Klippen aus dem Meer herausragen. Hier konnten die Schiffe mit Hilfe von Kränen beladen werden ohne anlegen zu müssen.

Schließlich führt mich eine Teerstraße an Bananenplantagen vorbei. Zuletzt geht es sogar mitten durch eine Plantage zurück zur Hauptstraße. Toll! Grüne Bananen hängen in riesigen Stauden an den Pflanzen, die eigentlich viel zu klein für das große Gewicht wirken. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber die Bananen, die man hier kaufen kann, schmecken direkt viel intensiver und besser als aus dem deutschen Supermarkt.

Bananenplantage Hermigua
Bananenplantage Hermigua

Diese Wanderung bei Hermigua bietet eine tolle Kombination aus Bergerlebnis, Talblicken und der stürmischen Küste. Trotz einiger Straßen-Anteile, die schade sind, ist sie auf jeden Fall empfehlenswert.

Gesamtstrecke: 18370 m
Gesamtanstieg: 1880 m
Gesamtabstieg: -1881 m
Download file: Hermigua_Berg_Steilkueste.gpx

Info: Die Angaben der Höhenmeter werden leider nicht richtig angezeigt. Die Angabe unter dem Titel ist korrekt.

Diese Tour ist Teil eines Wanderurlaubs auf den Kanaren. Hier findest du die übrigen Wanderberichte von La Gomera und Teneriffa.

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